Die Grenze nach Malawi ist kein Problem, wir hatten uns das viel chaotischer vorgestellt. Eine gute Strasse führt durch die Berge. Wir lassen die Hauptstadt Lilongwe rechts liegen und staunen über die grüne Landschaft. Grosse Waldstücke mit gepflanzten Bäumen zur Kautschukgewinnung, sowie ausgedehnte Eukalyptus- und Pinienwälder die für die Holzgewinnung gepflanzt wurden. Die Landschaft erinnert mehr an Europa, als an Afrika. Es wird bereits dunkel, als wir in der Nkata Bay am Lake Malawi ankommen. Dieser Hafen war einst eine Metropole des Sklavenhandels. Bei unserer Ankunft ist der Ort ein einziger, wimmelnder Marktplatz. Wir fühlen uns mit dem Bus inmitten der Menschenmenge wie ein Elefant in der Fussgängerzone. Trotzdem bleibt keine Wahl, es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, zum Campingplatz zu gelangen. Auf dem unbefestigten Weg hat es mit der Zeit zwar weniger Menschen, dafür wird er immer steiler, kurviger und holpriger. Am Ende einer Sackgasse finden wir endlich den gesuchten Platz, nur um zu erfahren, dass es dort keinen Camping mehr gibt. Noch bevor ich die Rezeption der Lodge erreiche, beschliesse ich hier heute Abend keinen Meter mehr zurückzufahren. Die Besitzer lassen uns freundlicherweise auf ihrem Parkplatz übernachten. Am anderen Tag ist der Ort am frühen Morgen wie ausgestorben und kaum wieder zu erkennen. Nun finden wir den Weg problemlos und sind schon bald am wunderschönen See entlang unterwegs. Heute haben wir es leichter die Makuzi Beach Campsite zu finden. Unser Platz liegt direkt an einem Sandstrand, der von runden Felsen unterbrochen wird. Es sieht ein bisschen aus wie auf den Fotos von den Traumstränden auf den Seychellen, nur hier ist es Süsswasser, nicht der Ozean. Der See ist so gross, dass man meinen könnte man ist am Meer. Obwohl es Bilharziose Warnungen gibt, kann ich nicht wiederstehen und gehe im klaren Wasser schwimmen. Über dem See hängt etwas, das aussieht wie grosse Rauchwolken. Es ist ein Phänomen das man nur zu ganz bestimmten Zeiten beobachten kann. Mückenlarven die sich zum Schutz vor gefrässigen Fischen ca. 15 m unter der Wasseroberfläche aufhalten, steigen als fertige Fliegen massenhaft über dem Wasser auf um sich zu paaren. Einheimische nützen den gedeckten Tisch und fangen sie mit Netzen ein. Anscheinend sollen sie so ähnlich schmecken wie Shrimps. Im Wind wirken sie von weitem wie Rauch.

Am Tag zuvor hatten wir immer wieder quietschende Geräusche von einem der Autoräder gehört und nutzen nun die Zeit, auf einem ebenen Rasenplatz das Auto aufzubocken um nachzusehen, was die Ursache sein könnte. Walter bewegt die Räder und kommt zum Schluss, dass es kein Radlager sein kann. Da schon Werkzeug usw. ausgeräumt sind, stellen wir auch die Handbremse wieder ein, da diese fast nicht mehr angezogen werden konnte. Seit dem quietscht nichts mehr, Toll wenn sich die Probleme so von selber lösen.

Wir leisten uns ein Abendessen auf der Terrasse der Lodge am Strand und sind die einzigen Gäste. Hoffentlich kommen in der Hauptsaison mehr Touristen, denn die Besitzer haben alles sehr schön hergerichtet. Auf der Weiterfahrt besuchen wir auf dem nächsten Campingplatz Gerard und Ana, Bekannte aus England, die wir in letztes Jahr in Lusaka kennengelernt hatten, sind nun auf dem Heimweg nach Good Old England. Dank Waths App haben wir erfahren, dass wir per Zufall keine 5 km entfern voneinander campen. Sie waren schon mal in Tansania und auch sonst gibt es die eine oder andere Geschichte zu erzählen. Wieder ein Abschied, denn sie wollen noch bleiben und wir weiter in die Berge Malawis. Der Weg zum VWaza Game Reserve wird zunehmend schlechter und manchmal zweifeln wir, ob diese Spur nicht plötzlich "in the middle of nowhere" zu Ende ist. Eine Brücke hat in der Regenzeit schwer gelitten und es reicht mit unserem Radstand gerade noch so, um drüber zu fahren. Dort wo der Beton eingebrochen ist, wurde das Loch einfach mit grossen Steinen aufgefüllt, die natürlich schon wieder wegrutschen. Nach vielen Schlaglöchern und noch mehr Staub erreichen wir endlich einen schönen kleinen Stausee, wo Flusspferde auf einer Sandbank in der Sonne liegen und Elefanten zum Trinken kommen. Wären da nicht die lästigen Tse Tse Fliegen, die am Abend von bissigen Moskitos abgelöst werden, hätten wir die völlige Idylle gehabt. Jim in Chipata und auch Gerard und Ana haben uns erzählt, dass sie Doxycycline als Malariaprophylaxe nehmen und damit gute Erfahrungen gemacht haben. Sobald wir die etwas grössere Siedlung Mzuzu erreichen, werden wir eine Apotheke suchen, um das Medikament zu kaufen. Den Plan noch hinauf aufs Njyka Plateau zu fahren, geben wir auf. Der kurz nach der Regenzeit ausgewaschene Weg hätte uns viel Zeit gekostet und ausserdem müssten wir genau dieselbe Strecke wieder zurückfahren. Stattdessen genossen wir die Zeit auf dem Chitembe Camping, der von einem Holländer vorbildlich geführt wird, und direkt am See liegt. Über unseren Köpfen baute ein Brutpaar eines ganz speziellen Vogels sein riesiges Nest. Der sogenannte Hammerkopf hat einen Kamm aus Federn, der seinem Kopf die Form eines Hammers gibt. Er lebt in der Nähe von Gewässern, wo er auch sein Futter sucht, und ist etwas grösser als ein Rabe. Das Eigenartige ist, dass er mehrere Nester baut, die so gross sind, dass man meinen könnte, dort nistet ein Marabu. Ins Nest macht er eine Höhle mit einem Flugloch wie bei einem Specht. Oft dekoriert er sein Zuhause mit farbigen Gegenständen, die er sammelt (dieser hatte wohl eine Schwäche für blau, denn mehrere blaue Plastikteile hingen aussen am Nest). Da wir aus Zeitgründen den Süden Malawis ausgelassen hatten, standen wir nach 2 Wochen am 29. Mai schon an der Grenze zu Tansania. Die Beamten auf der Malawi Seite hatten die Formalitäten schnell erledigt.


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