Auf der türkischen Seite ging es deutlich schlechter organisiert und auch nicht mehr ganz so höflich zu. Trotzdem waren wir nach einer Stunde eingereist und von Royan wollte niemand etwas wissen. Nur einer verlangte Bakschisch, war dann aber auch ohne zufrieden. Nun mussten wir uns auf andere Dieselpreise einstellen. Hier kostet ein Liter 1.5 Euro für das Geld hätten wir im Iran den ganzen Tank gefüllt. Unsere beiden Ersatzkanister waren voll, hoffentlich ist genug Frostschutzmittel beigemischt, denn der Motor lief am Morgen immer schlechter an. Ein Aufsteller war die verschneite Berglandschaft mit dem Doppelvulkankegel des Ararat (5100m), einfach grandios, genauso wie die Erkenntnis in Zukunft nicht immer nach dem Kopftuch suchen zu müssen. Grad nach der Grenze gibt es einen 30m tiefen und 60m breiten Meteoritenkrater, der gut bewacht ist, weil in der Gegend anscheinend viel geschmuggelt wird. Unter anderem Treibstoff, kein Wunder bei der Preisdifferenz. Die Berglandschaft in Kurdistan muss im Sommer wunderschön sein, zum Campieren ist im Moment in dieser Gegend aber nicht die richtige Saison. An manchen Tagen wurde es nicht wärmer als -15 Grad und wir hatten Glück, dass es nicht schneite. Auf dem direktesten Weg fuhren wir nach Süden, an der Ostküste des Van Sees vorbei, Richtung Mittelmeerküste. Am Sonntag dem 21. Januar lief endlich die Wasserpumpe wieder. Wir hatten schon befürchtet, sie sei ganz kaputt. Allerdings lief auch das Wasser unter dem Küchenschrank hervor, also war durch das Eis doch Irgendetwas undicht geworden. Folglich weitere Tage mit Mineralwasser und Kanister funktionieren, bis wir an der Küste hoffentlich an der Wärme einen Platz zum Bleiben finden. Weiter im Süden war die Gegend vom Gebirge in sanfte Hügel über und die Vegetation änderte sich. Es gab wieder Pistazienbäume, Olivenbäume, Zitrusfrüchte und vor allem viele Weingärten. Die Spaziergänge mit Royan blieben weiterhin spannend, dieses Mal wegen der grossen anatolischen Hirtenhunde, die einen ausgeprägten Schutzinstinkt haben. Einmal riss sich so ein Bär von der Kette los und ich hatte Royan an der Leine, weil Kaninchen dort frei herumhoppelten. Gerade noch rechtzeitig löste ich die Leine, da hatte er uns auch schon knurrend und bellend eingeholt. Ich hatte noch Zeit einen Stein aufzuheben und - es passierte gar nichts. Am Ende ging er mit spazieren und am anderen Morgen gleich noch einmal mit uns. Royan liess sogar die Kaninchen in Frieden als ob er gemerkt hätte dass die hier unter Schutz stehen. Am nächsten Übernachtungsplatz passierte noch mal fast das gleiche mit einem noch grösseren Kangal Rüden, der ebenfalls die Kette hinter sich herzog. Dieses Mal hatte ich schon keine Angst mehr und sie liessen sich auch in Ruhe. Dann holte uns der Schnee ein und die Polizei liess niemanden Weiterfahren, der keine Schneeketten montierte. Dass soweit im Süden noch mal 20 cm Schnee liegen würden hätten wir nicht erwartet. Mitten in einer Kolonne Lastwagen montierten wir wie die anderen im Schneegestöber die Ketten. Sofort waren zwei Helfer zur Stelle und einer flüsterte uns ins Ohr, er sei Kurde, Walter gab er sogar einen Abschiedskuss, was hier vermutlich besonderes Vertrauen beweist. Zigaretten oder etwas anderes für ihre Hilfe wollten sie nicht annehmen. Sie kamen uns vor wie die Iraner. Das war nicht das einzige Mal, dass wir das Gefühl hatten die Leute dürfen nicht laut sagen, dass sie Kurden sind. Überhaupt existiert neben der modernen Türkei einiges was eher ans Mittelalter erinnert. Auf einer Raststätte die noch nicht fertiggebaut war, war ein Mann angestellt um dort nachts aufzupassen. Er muss nachts in der halbfertigen Hütte ziemlich gefroren haben. Wir luden ihn zum Tee ein, da wir gerade beim Frühstücken waren und kamen ins „Gespräch“ (mit Händen und Füssen), auch für das Brot war er sehr dankbar. Als er hörte, dass wir keine Kinder haben, bedeutete er dass er 5 habe was wohl eher ein Problem für ihn war. Er bot uns allen Ernstes an, uns eines seiner Kinder mit in die Schweiz zu geben, und er machte nicht den Eindruck, als ob er kein Verantwortungsgefühl hätte.

Bei Diabakyr überquerten wir den Tigris und fuhren in die Altstadt, die von einer riesigen Stadtmauer eingerahmt ist. Nach der chinesischen Mauer soll sie das längste und dickste Bollwerk sein, das es gibt. In der Altstadt leben vor allem Kurden und Araber während im moderneren neuen Teil der Stadt ausserhalb Türken wohnen. Wir verirrten uns in den engen Gassen, die noch dick vereist waren. Die Leute waren alle mit Pickeln und Schaufeln daran einen besseren Weg zu bahnen, da die Sonne schien und es im Moment taute. Als es nach frischem Brot roch entdeckten wir eine Backstube und ich ging kurzerhand hinein um Brot zu kaufen. Etwa 6 Männer standen vor einem grossen Feuerloch. Zwei kneteten aus dem Teig die Brote, ein anderer schoss sie mit einem langen hölzernen Schiesser ein und holte die fertigen heraus. Sofort brachte mir jemand einen Hocker und ein Glas Tee. Erstaunt realisierte ich, dass ausser mir niemand Brot kaufte, stattdessen Frauen Teig brachten. Sie schenkten mir ein Brot und fragten mich sogar, ob ich ein Foto machen wolle. Mir fielen die Geschichten von Oma ein, als sie erzählte wie sie den Brotteig früher zum Bäcker brachten, um das Brot zu backen. Etwas Ähnliches spielte sich hier ab. Nur dass ein Bäcker bei uns auf eine plötzlich aufgetauchte Fremde vermutlich etwas anders reagiert hätte. Das ist ein gutes Beispiel für die Mentalität der Leute die uns immer wieder überraschen. Das Brot schmeckte sehr gut. Bald überquerten wir den Euphrat und verliessen bei Gaziantep die Autobahn. Wir wollten zu einem Supermarkt, weil wir Trockenfutter für Royan brauchten. Den fanden wir auch bald. So neu und modern, dass er jedem Einkaufszentrum bei uns Konkurrenz gemacht hätte. Wir konnten es fast nicht glauben, vor allem war praktisch niemand im Laden, was bei den Preisen kein Wunder war. Alles wirkte sehr künstlich, sogar einen Metalldetektor wie an einem Flughafen gab es. Wie das Ganze rentierte und wohin alle die Frischwaren gingen blieb uns ein Rätsel, Hauptsache wir hatten eine Packung Pedigree und Chappi, das gab’s nämlich dort auch. Bei Tarsus sahen wir das Meer bei sonnigem Wetter und warmen 16 Grad. Am 23. Januar fanden wir einen Campingplatz mit Warmwasser und Stromanschluss, seit St. Petersburg der zweite offizielle Campingplatz auf unserer Reise. Royan war kein Problem, da sie selbst Hunde hatten, und es gab viele leere Plätze. Die wenigen Gäste waren Rentner aus Norddeutschland mit Wohnmobilen, die hier den Winter verbringen. 5 an der Zahl, die wir natürlich alle schnell kennen lernten. Ins nahe gelegene Kizkalesi gingen wir zu Fuss Einkaufen, und unser Bus stand direkt am Meer. In Kizkalesi befindet sich eine alte Seefestung und einige uralte halbverfallene christliche Kirchen in einem grossen ehemaligen Friedhof. Viele Steinsärge mit etwa 20 cm dicken Wänden und 1,50m Höhe sieht man überall verstreut. Verwitterte Inschriften und das Kreuzritterzeichen erinnern an längst vergangene Zeiten. Nicht weit von hier ist Kaiser Friedrich Barbarossa in einem Fluss umgekommen, als er ein Heer auf einen Kreuzzug nach Jerusalem führte. Bei einem Spaziergang fanden wir gestern eine Schildkröte und Stachelschweine soll es auch geben. Royan ist selten „zu Hause“ da die Campingplatzhündin gerade läufig ist. Jedem Tierchen sein Plaisierchen!

Zwei Mal kamen noch andere Fernreisende vorbei. Einmal ein Deutscher mit einem Pinzgauer in Begleitung eines Paares aus Österreich mit einem Toyota. Sie sind auf dem Weg nach Uganda, wo sie in 3 Monaten ankommen wollen. Danach werden die Autos verschifft, um im Sommer durch Russland nach China ins Tibet zu fahren, wofür sie weitere 3 Monate veranschlagt haben. Visas und Führer haben sie alles bereits organisiert (Dank zweier Pässe). Eine verrückte Welt, die einen überwintern fast 6 Monate auf dem gleichen Campingplatz und die anderen fahren in der gleichen Zeit auf ganz verschiedenen Erdteilen herum. Noch mehr zum Staunen brachte uns Philippe aus Bordeaux. Er ist zu Fuss unterwegs und auf dem Mosesberg im Sinai losgelaufen. Er will nach 8000 km Friedensmarsch in Santiago de Compostela ankommen. Das Gepäck hat er auf einer Art Veloanhänger, den er zieht. Die letzten 20 Jahre ist er durch die Welt geradelt und hat fast alle Länder dieser Erde abgefahren (war vor 20 Jahren in China, wo er nach 4 Wochen verhaftet wurde, als sie entdeckten, dass er als Ausländer alleine ohne Führer unterwegs war). Nun habe er aber keine Lust mehr alleine zu Reisen, träumt von einer Familie und einem ähnlichem Auto wie unseres.

Ich bin jetzt schon gespannt wie es weiterging, er hat uns seine Adresse gegeben. Anfang Februar fuhren wir in die Berge nach Kappadokien. Leider war es schon spät, als wir ankamen, so dass wir an diesem Tag nicht mehr viel sahen. Am anderen Tag schauten wir ungläubig in eine veränderte Welt. Nachts hatte es 30 cm geschneit und weit und breit war niemand der Schnee räumte. Die Landschaft lag unter dem Schnee versteckt und das Beste war, so schnell wie möglich wieder ans Meer zu kommen, bevor wir hier endgültig eingeschneit werden. Schade die bizarren Felsen und unterirdischen Wohnungen wären sicher sehr interessant gewesen. So waren wir froh, wieder in wärmere Gegenden zu kommen, ohne die Ketten montieren zu müssen. Die Route die wir eigentlich fahren wollten, war prompt einige Zeit gesperrt (haben wir später gehört). Die Küstenstrasse der wir nun nach Westen folgten, führt durch endlose Kiefernwälder. Manchmal blühten bunte Blumen dazwischen. Die Landschaft ist sehr bergig und die meisten Flusstäler sind gefüllt mit Treibhäusern, wo Bananen angebaut werden. Das Klima ist so mild, dass Bananenstauden selbst im Freien gedeihen. Natürlich gibt es auch unzählige Orangen und Zitronenbäume, Olivenhaine, Pfirsich und Mandelbäume die nun rosa und weis in voller Blüte standen. Bei sonnigem Wetter bilden die Buchten mit leuchtend weisen Sandstränden und türkisblauem Wasser zwischen den Steilküsten einen wunderschönen Kontrast. Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die Strasse gebaut, zuvor war die Gegend nur vom Meer her zugänglich. Hirten sind mit ihren Ziegenherden unterwegs und überall stehen unzählige Bienenkästen, da nun alles zu blühen beginnt. Leider war das Wetter wechselhaft und immer wieder regnerisch und kühl, so dass wir die nebelverhangene Landschaft nur zum Teil sehen konnten. Bei Anamur fanden wir einen Campingplatz in der Nähe der alten Burg, die wir dort besichtigten. Beim Abendessen war es schon stockdunkel. Da wir die einzigen Gäste waren, hatte der Besitzer auch die Wegbeleuchtung nicht eingeschaltet. Wir waren den ganzen Tag Auto gefahren, darum wollte Royan nach dem Spaziergang lieber draussen liegen. Normalerweise geht er nicht weit vom Auto weg. Dort muss jedoch in der Nähe eine Hündin läufig gewesen sein. Als ich rausschaute war er spurlos verschwunden. Eine starkbefahrene Strasse lief direkt ausserhalb des Campingplatzes vorbei. Mit einer Taschenlampe hastete ich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch Richtung Haupttor. Nirgends ein Hund zu sehen. Ich traute mich nicht mal nach ihm zu rufen, aus Angst er würde bereits auf der anderen Strassenseite herumstöbern. Also rannte ich weiter Richtung Dorf. Die Erleichterung war gross, als ich ihn endlich im Licht der Lampe am Strassenrand sah. Schuldbewusst kam er angetrottet und ich war so froh, dass nichts passiert war, dass ich nicht mal schimpfen konnte. Unser Schutzengel hat aufgepasst!

Die nächste Station war Gazianpascha, ein kleiner Camping bei einer Bucht mit Fischerhafen, wo wir zwei fangfrische Thunfische kauften die sehr gut schmeckten. Ein türkischer Rentner und drei Wohnmobile aus Deutschland standen auch dort. Auf der Weiterfahrt fanden wir in Kizilot einen kleinen Platz direkt an einem langen Sandstand, den wir ganz für uns alleine hatten und darum auch ein paar Tage blieben. Besuch gabs vor allem von mehreren Hunden, die wohl niemand gehörten. Eine Hündin hatte drei dünne Welpen und ich war schon drauf und dran das dünnste mitzunehmen, leider kannte ich niemanden der die Kleine zu sich nehmen könnte. Für zwei halbverhungerte Findlinge gab es zum Glück ein Happy End. Max, ein deutscher Rentner mit Wohnwagen unterwegs, nahm beide Welpen, die wir auf einem Müllplatz gefunden hatten, zu sich. Sein Hund war vor kurzem an einer Vergiftung gestorben.

Geschockt hat uns die Geschichte des Angestellten vom Campingplatz. Er hatte frische Narben im Gesicht und ein Teil der Nase fehlte. Ein Pitbull hatte ihn ins Gesicht gebissen. (Immer wieder neue Hundestories!) Einen weiteren Zwischenstop machten wir am Strand von Olympos, in Cirali. An diese Sandbucht kommen vom Aussterben bedrohte Wasserschildkröten, um ihre Eier zu vergraben. Wir sahen allerdings nur eine Landschildkröte. An den bewaldeten Berghängen gibt es Ruinen aus der Zeit noch vor den Griechen. Überhaupt stösst man oft auf Überreste aus der Griechen- und Römerzeit. Homer schreibt in seinem Epos sogar etwas über diesen Ort. Dort soll Zeus ein feuerspeiendes Ungeheuer besiegt und dann verbannt haben. Tatsächlich schlagen meterhohe Flammen aus dem Boden. Es ist brennendes Methangas, welches aus Erdspalten an die Oberfläche strömt. Wir konnten direkt an der Sandbucht campieren, dort lernten wir Ibrahim kennen. Er wohnte früher in Istanbul, hatte ein Geschäft, eine Frau und zwei Kinder. Nach gesundheitlichen Problemen und der Trennung von seiner Frau wurde es ihm zu eng. Er hat dem Luxusleben den Rücken gekehrt und lebt nun seit 6 Jahren mit seinem Hund in einer Art Gartenhütte mit Vorzelt, wo er sich eine kleine Küche und eine Dusche eingerichtet hat. Er konnte Englisch und hat uns allerhand erzählt. Der Vorrat an Orangen und Zitronen den er uns schenkte, reichte bis nach Italien. In der Bucht darf zum Glück nur einstöckig gebaut werden und so hat das kleine Dorf seinen ursprünglichen Charakter wenigstens teilweise bewahrt. Ansonsten ist die türkische Mittelmeerküste sehr zugebaut. Überall gibt es Ferienhäuser und Hotels. Nach zwei Tagen kam eine Junge Familie mit ihrem selbst ausgebauten Wohnmobil zum Campieren. Andrew ist Schotte, seine Frau Katja Ukrainerin, mit ihren Kindern Kion und Bassi wohnten sie in Berlin und reisten nun zusammen mit einem Freund, Conner aus Irland. Sie waren auf dem Weg nach Syrien, bei den langen Gesprächen über alles Mögliche konnten wir unser Englisch ein bisschen üben, obwohl wir Andrew mit seinem schottischen Englisch zuerst kaum verstanden haben. Am 24. Februar fuhren wir weiter nach Myra, wo der heilige St. Nikolaus Bischof war. Viele der antiken Mauern und Felsengräber haben die Zeit überdauert und sind nun das Ziel ganzer Karawanen von Reisebussen, die die ausländischen Hotelgäste der ganzen Küstenumgebung hierher fahren. Mittlerweile blühten die Mimosen und Bougainville, sogar eine lila Kalla entdeckte ich bei einem Spaziergang. Ein Stück weiter westlich liegt Patara, die Geburtsstadt von St. Nikolaus. Anscheinend ist die Geschichte mit den gefüllten Socken tatsächlich passiert. Als ein armer Bauer St. Nikolaus traurig erzählte, dass er keine seiner Töchter verheiraten könne, weil er keine Mitgift habe, beschloss Nikolaus zu helfen. Am Abend wollte er der Familie für jede Tochter ein Säckchen mit Geld bringen. Alle waren schon im Bett. So kletterte Nikolaus aufs Dach zum Kamin. Dort waren Socken zum Trocknen aufgehängt, er steckte das Geld dorthinein und verschwand unbemerkt. Heute wird die Stadt von französischen Archäologen wieder ausgegraben. Ein Theater, Gebäudereste und eine mit Steinplatten befestigte Allee mit vielen Säulen haben sie bereits freigelegt. Hinter der grossen Sandbucht gibt es hohe Wanderdünen fast wie in einer Wüste. Früher lag Patara am Meer und hatte einen Hafen, inzwischen liegt gut ein km Land zwischen der Küste und den alten Ruinen, soweit hat sich das Meer zurückgezogen. Das nächste Ziel war Pamukkale mit den weisen Sinterterassen, die als Ablagerungen von heissen Quellen dort entstanden sind. Früher badeten die Touristen dort. Durch den Massenandrang und die vielen Hotels ging das meiste kaputt. Inzwischen hat die UNESCO alles zum Weltkulturerbe erklärt, die Hotels wurden abgerissen und gebadet werden nur noch die Füsse an einer ausgesuchten Stelle. Darüber wachen gestrenge Securitas Leute. Das Wasser wird turnusmässig über verschiedene Gebiete geleitet, so dass mittlerweile einiges wieder hergestellt ist. Auf jeden Fall genug, dass wir sehr beeindruckt von der Grösse der schneeweissen Terrassen waren. Die Sonne ging im Abendrot unter, und lies die Wasserbecken wie rotes Gold leuchten. Am Morgen stieg der Dampf auf, es waren noch keine Reisegruppen da und alles wirkte ein bisschen märchenhaft, wie riesiges Zuckergebäck.

Auf dem Weg nach Izmir machten wir Station in Ephesus, um das sich ebenfalls viel Geschichtliches dreht. Unter anderem hat der Apostel Johannes hier gelebt und ist dort begraben, angeblich auch Maria, die auf einem der Hügel beerdigt sein soll. Orcun, ein ehemaliger Baskeballtrainer von Walter lebt in Izmir und zeigte uns seine Stadt. Einen Standplatz fanden wir direkt an der Strandpromenade, wo es grosse Grünanlagen gibt, und wir gut mit Royan spazieren konnten. Auf der Fahrt zu Orcuns Ferienhaus sahen wir bei einem Dorf per Zufall Kamelkämpfe. Wenn die Weibchen in Hitze sind, kämpfen die Männchen um das Vorrecht des Stärkeren. Damit sie sich nicht beissen können, tragen sie einen Maulkorb. Gewonnen hat der, der den anderen wegschieben oder runterdrücken kann, oder wenn einer freiwillig den Rückzug antritt. Anscheinend wird dabei mit Wetten viel Geld verdient. Am 6. März überquerten wir mit der Fähre bei Chanakale die Dardanellen, waren also endgültig wieder in Europa angekommen. Die Grenze nach Griechenland passierten wir ohne Schwierigkeiten, auch die Wiedereinreise von Royan nach Europa war kein Problem. In Griechenland legten wir unseren 40 000sten km zurück. Leider war es kühl geworden, so dass wir nicht lange blieben und schon am 10. März in Igoumenitsa auf die Fähre nach Bari warteten. Sie legte mit 3 Stunden Verspätung an. Nachdem die meisten Lastwagen ausgeladen waren, hatten wir das oberste Deck für uns alleine, konnten im Auto bleiben und Royan problemlos rauslassen, was die 12 Stunden Fahrt einiges angenehmer machte. Etwas nördlich von Bari fanden wir bei Manfredonia einen Campingplatz der das ganze Jahr offen ist, und warmes Wetter zum bleiben. Am 18. März mussten wir uns dann endgültig ans heimfahren machen, so schaffen wir es noch bis Mamas Geburtstag nach Deutschland und haben daheim in Neuenkirch Zeit uns einzuleben bevor ich wieder arbeiten und Walter eine Stelle suchen muss.

 


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Die Formalitäten brauchten erwartungsgemäss viel Zeit, vor allem Royan war plötzlich sehr gefragt. Es kam sogar eine Tierärztin und er bekam ein offizielles, russisches Gesundheitszertifikat (das er anscheinend bei der Einreise schon hätte bekommen müssen). Alle Beamten waren aber weniger stur als damals bei der Einreise nach Russland. Auf der mongolischen Seite noch eine Spur legerer. Nach 4 Stunden Lauferei und Warterei in verschiedenen Büros hatten wir es geschafft, und fuhren erleichtert weiter (es hatte mittlerweile 33 Grad). Der kleine Grenzort auf der mongolischen Seite machte einen noch ärmlicheren Eindruck, als die Siedlungen in Sibirien. Einen gehörigen Schreck jagten uns die vielen Schächte ohne Deckel mitten auf der Strasse ein, die runde Sorte, in die ein Rad unseres Autos genau gepasst hätte. Zum Glück gibt es hier wenig Autos und wir haben die Löcher rechtzeitig gesehen. Nach Altan Bulag gibt es mehr als 100km keinen Ort mehr. In den grünen Hügeln der nördlichen Mongolei sahen wir schon bald die ersten Yurten oder Gers, wie sie hier heissen. Weit und breit nichts als Tierherden, Schafe, Kaschmirziegen, Pferde und wenige Yaks und Kamele. Der Boden ist meist sehr hart und nur spärlich mit Gras und Kräutern bewachsen. Abends konnten wir einfach ein Stück von der Strasse querfeldein fahren und hatten keine Mühe schöne Übernachtungsplätze zu finden. Royan war ganz begeistert von den vielen Murmeltieren und steckte seine Nase in alle Löcher. So muss die Landschaft schon vor Hunderten von Jahren ausgesehen haben. Es sind nur wenige Autos unterwegs, dafür umso mehr Reiter in ihren traditionellen Dels (eine Art knielanger Mantel mit einer farbigen Schärpe um die Hüfte). Die asphaltierte Strasse führte direkt nach Ulaan Bataar und hatte nur wenige Löcher. Mindestens das würde sich leider schon bald ändern , wie uns zwei Motorradfahrer aus England erzählt hatten. Wir trafen sie an der Grenze, sie kamen von der Mongolei und wollten nach Magadan.

Ulaan Bataar war der krasse Gegensatz zur Kulisse seit der Grenze. Westlich gekleidete Menschen, viele Autos, teils Hochhäuser, sogar Kaufhäuser mit allen möglichen Waren aus dem Ausland, überall Reklame, oft in Englisch und Firmennamen wie Liebherr, Kärcher, Brauhaus (eine Bierbrauerei) und natürlich Sony, Nissan usw. Hier lebt etwa eine Million der insgesamt 2,5 Millionen Mongolen. Die Mongolei ist ca. 4,5 mal grösser als Deutschland, dort leben die anderen 1,5 Millionen. In 4 Tagen konnten wir unser Visum um einen Monat verlängern, ein Visum für Kasachstan besorgen, die Schweizer Botschaft besuchen, den kaputten Reifen flicken und noch vieles mehr. Die meisten Dinge waren hier wesentlich unkomplizierter und speditiver zu regeln als zuvor in Russland, eine sehr angenehme Überraschung. Mit den in Ulaan Bataar besorgten Landkarten machten wir uns auf den Weg nach Süden in die Gobi. In der Stadt etwas zu finden war schon nicht immer einfach gewesen, da es keine Strassenschilder gab, logischerweise gab es auch sonst keine Hinweisschilder. So übten wir ein bisschen, bis wir die richtige Strasse bzw. Piste gefunden hatten. Zu dieser Zeit wussten wir noch nicht, dass die Mongolei etwa 5% gebaute Pisten und vielleicht 1% Asphaltstrassen hat, der grosse Rest sind Fahrspuren von denen es jede Menge gibt. Manchmal laufen bis zu 20 oder mehr Spuren parallel, weil die jeweils ältere holperig wurde und das nächste Auto einfach daneben eine neue Spur machte. Pech ist es, wenn die äusseren Spuren langsam abdriften und man es zu spät realisiert. Auf diese Weise haben wir uns einige Male verfahren. Mit Glück, „Händen und Füssen“ und 5 Wörtern Mongolisch und dank der freundlichen, hilfsbereiten Mongolen fanden wir den Weg bis zu den riesigen Sanddünen im Süden auch ohne GPS. Vorbei an grossen Kamelherden und Ebenen voll wildem Schnittlauch, sahen wir immer wieder ausgebleichte Skelette verhungerter oder erfrorener Tiere. Es regnet selten in der Gobi, aber wenn, dann wohl sintflutartig, der harte Boden verwandelt sich in zähen Matsch und selbst Allradfahrzeuge müssen warten bis es abgetrocknet ist. So waren wir ganz zufrieden mit dem Wetter, trotz der drückenden 45 Grad, die das Thermometer am heissesten Tag anzeigte. Vor allem für Royan war es mühsam, immer wenn er endlich aus dem Auto konnte, war es so heiss, dass er manchmal freiwillig gleich wieder eingestiegen ist. Als es nach einem Gewitter etwas kühler wurde, spurtete er durch die struppigen Grasbüschel, als wollte er alles nachholen. Dabei hat er sich eine Kralle an der Hinterpfote der Länge nach gespalten. Zum Glück infizierte es sich nicht, er lief etwa 2 Wochen mit einem Socken hinkend herum, danach löste sich der obere Teil der Kralle und zwei Tage später war er wieder der Alte. Auch wir waren froh, als wir die Hitze hinter uns hatten, obwohl die Gobi den Aufwand wert war. Anders als in den Tropen, kühlt es nachts um mehr als 20 Grad ab. Das mag wohl auch der Grund sein, dass wir dort unten eine Schlucht fanden, in der es tatsächlich noch meterdickes Eis vom letzten Winter hatte, allerdings wächst es im Winter bei den eisigen Temperaturen auch auf eine Dicke von mehr als 20 Metern an. Wie die Tiere und Menschen hier diese Extreme aushalten und überleben können, war uns ein Rätsel. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz entdeckten wir einen Felscanyon und konnten auf dem trockenen Flussbett weit hineinfahren. Als der Boden plötzlich tief wurde, stellten wir das Auto auf einem erhöhten Platz ab und fanden zu unserem Erstaunen eine klare Quelle, die für saftiges Grün sorgte, aber leider nach etwa 20m schon wieder im Boden versickerte. Ein guter Campingplatz und Beobachtungsposten. Hoch oben in den Felsen sahen wir Geiernester und abends kam eine Steinbockfamilie zum Trinken. Auch wir hatten plötzlich genug sauberes Wasser zum Waschen und sogar Duschen. Beim Fahren staubt es ständig, alles im Auto wird eingepudert mit einer feinen braunen Schicht, die natürlich auf der verschwitzten Haut gut klebt. Einmal sind wir so tief in den losen Sand geraten, dass die Schaufel und die Sandbleche zum Einsatz kamen. Nicht gerade ein Vergnügen bei der Hitze, aber wenigstens konnten wir uns selbst helfen, da wir den ganzen Tag noch niemand gesehen hatten. Auf dem Weg zurück nach Norden kam uns ein violetter Unimog entgegen und gab Lichthupe. Wir dachten schon andere Reisende mit dem eigenen Auto zu treffen, und freuten uns darauf mit ihnen zu reden. Dann stieg ein Mongole aus und fragte uns nach dem Weg. Das war mindestens genauso ungewöhnlich, wie ein Auto mit europäischer Nummer. Der Unimog war ein Fahrzeug des Reiseunternehmens „Nomadtours“ und der Fahrer war vermutlich auf der Suche nach dem Weg für eine neue Tour für Touristen. Ein paar Tage später passierte es tatsächlich noch einmal. Eine Dame mit ihren zwei Enkelkindern aus Ulaan Bataar stieg aus, sie stammte ursprünglich aus Deutschland und hatte den Fahrer engagiert um sie zu den Dinosaurierfundstätten im Süden zu fahren, von wo wir gerade kamen. Sie waren unsicher ob die Richtung stimmte. Einigermassen tröstlich, dass auch die Mongolen nicht immer so selbstverständlich den Weg finden. Weiter im Norden reisten wir wieder auf einer Höhe zwischen 1500 und 2000m, alles war wieder grün und es gab sogar an den Nordhängen Wald und viele Blumen. Die Wiesen waren weiss gesprenkelt mit Edelweiss, als ob sie jemand gesät hätte. Die Flussbetten waren nicht mehr ausgetrocknet sondern führten Wasser, manchmal auch mehr als uns lieb war. Brücken gibt es sehr selten, einmal hatte die Furt an der Einfahrt so tiefe Schlammlöcher, dass die Hinterachse aufsass. Zufällig hatte nicht lange vor uns ein Jeep den Fluss durchquert, und der Fahrer nutzte das Bachwasser um sein auslaufendes Kühlerwasser wiederaufzufüllen. Mithilfe unseres langen Seils hatte er uns schnell herausgezogen. Gerade noch rechtzeitig zum Nadaam Fest erreichten wir das Aimag Zentrum Arvaikheer. Ein Aimag ist ein hiesiger Kanton oder ein Bundesland. Im Hauptort gibt es meist einen Flughafen, Mobil- und Internetverbindung. Die wenigen Steinhäuser sind entweder Verwaltungsgebäude, verfallende Fabrikgebäude oder Wohnblocks aus russischer Zeit. Der Rest ist aus Holz, Blech oder Lehm gebaut, vielfach stehen Jurten hinter den Zäunen. Fliessendes Wasser gibt es auch hier nur in den Steingebäuden. Zum Teil liefern Wasserverkäufer mit Pferdewagen und selbst gebastelten Tanks aus alten Oelfässern das Wasser. Kinder schieben kleine Karren mit Milchkannen zu einem Brunnenhäuschen wie in Sibirien, nur dass es hier nur zu bestimmten Zeiten Wasser gibt. 30% der Gesamtbevölkerung eines Aimagsleben dort, der Rest auf dem Land verstreut in Jurten. Nadaam ist das wichtigste Fest im Jahr. Es gibt eine Art Festumzug (den wir leider verpassten), Ringkämpfe, Bogenschiesswettbewerbe und Pferderennen. Der Legende nach, wollten früher einmal 3 Bewerber eine schöne Königstochter heiraten. Der Vater versprach sie demjenigen, der am besten Ringen, Bogenschiessen und Reiten konnte (das Mädchen wurde wohl nicht gefragt). Die Distanz des Pferderennens sind 30km, geritten wird ohne Sattel, auf den Pferden sitzen Buben im Alter von 6 bis 10 Jahren. Die Ringkämpfe sind eine Mischung aus klassischem Ringen, dem Schweizer Schwingen (hier packt man den andern nicht an den Hosen sondern an einem Jäckchen) und fernöstlichem Tai Ji. Geschossen wird mit Bogen die aussehen wie die aus Dschingis Khans Zeiten. Im Ort wimmelte es von Reitern in ihren schönsten Dels, Motorrädern und auch Autos vom alten Russenjeep bis zum Toyota Landcruiser. Marktstände, Buden mit Esswaren, Musik, kurz ein richtiges Volksfest. Eine gewaltige Staubwolke hängt über Allem, trotz oder gerade wegen des Windes, der unaufhörlich von Südwesten her bläst. Spannend war auch Bert und Monika zu treffen, zwei Österreicher mit ihrem grossen Unimog, die ausserhalb am Strassenrand standen, und erst vor 3 Wochen in Oesterreich weggefahren waren. Sie haben ihr Hobby, das Reisen zum Beruf gemacht und sind auf dem Weg nach Ulaan Bataar, um dort Touristen abzuholen, die sie dann durch die Mongolei fahren.

Von Arvaikher aus fuhren wir in Richtung des Khangay Gebirges im Zentrum der Mongolei. Es gibt einige dreieinhalbtausend Meter hohe Berge und die Landschaft ähnelt ein bisschen den Alpen, nur stehen hier nicht Alphütten sondern Gers. Käse wird ebenfalls gemacht und auch Airag, ein leicht alkoholisches Getränk aus vergorener Stutenmilch, das wir zwar probierten, aber nicht auf häufigeren Genuss Lust bekamen. Ansonsten hätten wir es den Nomadenkindern, die es so oft am Wegrand verkaufen wollten, gerne abgekauft. Nach Avaikheer hatten wir beide zum ersten Mal Verdauungsprobleme, und wie es manchmal so ist, kam einiges zusammen. Wir hatten Schwierigkeiten die richtige Spur zu finden, mussten oft bei Gers fragen, was wegen der Hunde jedes Mal spannend war. Alle Mongolen haben grossen Respekt vor Hunden, was eher darauf schliessen lässt, dass ihre eigenen ziemlich bissig sein müssten. Bis heute haben aber alle glücklicherweise nur gebellt. Nun war mir aber zusätzlich noch schwindlig und schlecht, Royan jammerte weil der Weg so schlecht war und das Auto schaukelte wie ein Schiff im Sturm. Rauslassen konnten wir ihn nicht, wegen seiner verletzten Pfote und abstützen konnte er sich schlecht, weil er dann mit der losen Kralle jedes Mal hängen blieb. Walter ging’s auch nicht besonders, aber trotzdem fuhren wir weiter, weil es die ganze Zeit nach Regen aussah und wir dann auf diesem Weg auf keinen Fall mehr vorwärts gekommen wären. Vor allem wussten wir, dass laut Karte noch mindestens ein Fluss zu durchfahren war, bei Hochwasser ebenfalls für uns nicht mehr zu schaffen. Als wir nach Stunden, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 10km/h über zwei Pässe gerumpelt waren, erreichten wir schliesslich den besagten Fluss. Ungefähr 20 Meter breit und etwas mehr als knietief (ich war mit den Anglerstiefeln durchgelaufen und musste auf den glitschigen Steinen aufpassen in der Strömung das Gleichgewicht nicht zu verlieren). Es spritzte ziemlich, was ich leider nicht festhalten konnte, weil im entscheidenden Moment der Fotoapparat nicht richtig belichtete (gab etwas später ganz den Geist auf, ausgerechnet das Teleobjektiv hatte vermutlich zu viel Staub abbekommen). Froh vermeintlich heil durchgekommen zu sein, fuhren wir bereits der nächsten heiklen Stelle entgegen. Ein breiter, schlammiger Bach mit sehr steiler Ein- und Ausfahrt. An diesem Tag hatten wir ein Auto gesehen. Beide hatten wir heute schon mehr als genug spannender und nerviger Momente gehabt und fragten uns, ob es diesmal nie ein Ende hätte. Es hatte ein Ende, der Motor stotterte und mit dem letzten bisschen Schwung rollten wir über den Rand der Böschung. Erschreckende Erkenntnis, das Auto läuft nicht mehr! Walters erster Gedanke, Wasser im Motor! Ich wusste nicht was das bedeutet und war nur froh, dass wir nicht im Schlamm steckengeblieben waren. Royan war der einzige der sich freute, raus aus dem schwankenden bockenden Gefährt, auf eine Wiese voller Yacks und Mauslöcher. Yacks sind für ihn genauso spannend wie Kamele, beide sah er nie zuvor, Yacks sind zottelig, brummen wie Bären und riechen aber nach Kuh, so was muss ja interessant sein. Das spannende für uns war, wie wir das Auto wieder zum Laufen bringen. Der Luftfilter tropfte und die Schläuche waren nass, notdürftig trocknen, den Ersatz Luftfilter einsetzen und wieder den Anlasser drehen lassen. Eine Erlösung, als der Motor zwar holprig und stotternd, aber doch wieder ansprang. Hier waren wir wirklich fast am Ende der Welt und es wäre sehr kompliziert geworden das Auto wegzubringen. Eine Wolke weisblauen Rauchs machte uns zwar Sorgen, aber alle Schutzengel hatten sich wohl sehr für uns ins Zeug gelegt. Nichts desto trotz kamen wir 5 Min. später an den nächsten Fluss vom gleichen Kaliber. Diesmal stand auf der anderen Seite ein Einheimischer mit seinem Motorrad und wunderte sich sichtlich, warum wir statt durchzufahren anhielten, um die Motorhaube zu öffnen. Als Walter dann ausgestiegen ist, kam er zu uns um sich die Sache aus der Nähe anzusehen. Aus einer Petflasche bastelten wir eine Verlängerung für das Ansaugrohr. Nachdem wir den trockenen Ersatzluftfilter vorsichtshalber rausgenommen hatten, stülpten wir einen Nylonstrumpf über das Ansaugrohr um den gröbsten Dreck draussen zu halten. Buchstäblich mit dem letzten „Schnuuf“ erreichten wir das andere Ufer, das Ansaugrohr war dieses Mal zwar trocken geblieben, der Sog hatte die weiche Petflasche aber zusammengezogen, so dass der Motor zu wenig Luft bekam. Einmal mehr hatten wir Glück gehabt, dass wir nicht mitten im Wasser stehen geblieben waren. Eigentlich hatten wir zu einem Wasserfall am Orkhonfluss fahren wollen. Nachdem sich am anderen Tag jedoch ein Fluss an den anderen reihte, und der Weg mit grossen Lavasteinen, für die unsere Bodenfreiheit zu klein war, förmlich gepflastert war, gaben wir das Vorhaben auf. Die wenigen Siedlungen die wir auf dem Rückweg nach Kujirt durchquerten glichen einem Irrgarten, weil wir ständig fragen mussten, welche Spur in die richtige Richtung führt. Entweder gab es wirklich mehrere Möglichkeiten oder die Leute zeigten uns den Weg, den sie mit einem Pferd oder Yackkarren nehmen würden. Jedes Mal wenn ein Fluss auftauchte, bangten wir, ob wir schon wieder den Luftfilter ausbauen mussten, das Auto rauchte inzwischen nicht mehr weis dafür blau, besonders morgens wenn der Motor kalt war. Merkwürdigerweise verbrauchte er weder mehr Oel, noch mehr Sprit und das Kühlerwasser blieb auf dem gleichen Level. Als es mal Telefonverbindung gab, telefonierte Walter mit dem Werkstattchef der Mercedesgarage in Menznau, wo wir das Auto gekauft hatten. Sie haben uns geraten den Motor in der Mongolei nicht reparieren zu lassen. Also fuhren wir nicht zurück nach Ulaan Bataar, sondern weiter nach Nordwesten über Dschinggis Khans alte Hauptstadt Karakorum zum See Zagan Nuur. Als wir auf eine Hauptverbindungsstrasse stiessen, sahen wir schon von weitem den Fluss - aber „Freude herrscht!“ es gab eine Brücke. Erst als wir mitten drauf waren, merkten wir in welch desolatem Zustand sie war. Seitdem sehen wir uns jede genau an bevor wir drüber fahren. Der See Zagaan Nuur entstand durch einen Vulkanausbruch dessen Lavastrom einen Fluss aufstaute. Es sieht heute noch so aus, als ob der Schwarze Kegel die Gesteinsmassen eben erst ausgespukt hätte, nur die vielen Lärchenbäume und die Flechten die dazwischen wachsen bringen Leben in die karge Landschaft. Ganz untypisch hatte sich Nebel gebildet, die Berge waren verhangen wie bei uns im November und es nieselte und war kalt. Nicht gerade das ideale Campingwetter um ein paar erholsame Tage einzuschalten. Dazu kam es dann sowieso nicht. Wir kreuzten einen Landrover mit österreichischer Nummer und natürlich gab es eine längere Unterhaltung mit Manfred aus dem Burgenland, der pensioniert ist und jeweils ein halbes Jahr in Bariloche (Patagonien / Argentinien) verbringt und im Moment Touristen durch die Mongolei fährt. Er wusste ziemlich viel über Motoren und Schwierigkeiten, die man auf einer Reise kriegen kann. Er fuhr mit den verschiedensten Autos mehr als 20 Jahre mit Touristen durch ganz Asien und Afrika. Er riet uns dringend nach Ulaan Bataar zurückzufahren, und war überzeugt, dass die Einspritzdüsen nicht richtig funktionierten. Mittlerweile hatten wir mehr als tausend km „geraucht“, aber kein Öl gebraucht. Statt am See ein paar schöne Tage zu verbringen, holperten wir also am nächsten Tag nach Osten Richtung Ulaan Bataar. Leider war der Besuch in der dortigen Mercedesgarage ein ziemlicher Leerlauf. Der Werkstattchef kam zwar aus Deutschland, hatte aber eine Aversion gegen die Mongolei und seine letzten Arbeitstage hier, sowie keinerlei Interesse herauszufinden, was mit dem Auto nicht stimmte. Er wollte uns nicht dabeihaben, als sie ihren Check machten. Das sagte er uns allerdings nicht selbst, obwohl er daneben stand, sondern schickte die Sekretärin. Natürlich blieben wir trotzdem dabei, er selbst tat nichts ausser ebenfalls herumzustehen. Mit ihrem computergesteuerten Diagnosegerät konnten sie an der Elektrik nichts finden, und damit war der Fall erledigt. Walter bestand darauf, dass sie die Kompression prüften, der 3. Zylinder hatte dann nur 50%. Daraufhin wollten sie ein neues Pleuel bestellen, weil die fehlende Kompression angeblich nur davon kommen könnte. Das war uns dann zu unsicher, erstens trauten wir seinem Urteil und zweitens seiner Kompetenz nicht. Die Arbeiter machten einen besseren Eindruck, durften aber nichts sagen. So hoffen wir in Russland oder Kasachstan eine bessere Garage zu finden, und vor allem dass unsere „charascho maschina = gutes Auto“ weiterhin nicht streiken wird. Wir konnten per Zufall den Fahrer einer amerikanischen Friedensorganisation nach dem Zustand des Weges durch den Norden der Mongolei fragen. Er war der erste den wir trafen, der diese Strecke schon gefahren war, alle andern wussten nur dass sie schön sei, aber nicht in welchem Zustand. Sein Urteil: „many, many rivers“. Zu allem Ueberfluss hat es dieses Jahr in der Mongolei ungewöhnlich viel geregnet. Also beschlossen wir schweren Herzens auf die schöne Landschaft des Nordens zu verzichten und stattdessen auf der Südroute nach Westen zu fahren, wo es weniger Flüsse und ab und zu Brücken gab. Was vor uns lag war eine Stecke von etwa 2000km, davon etwa 200km schlechter Asphalt. Die restlichen 1800kmzu 95% keine Schotterpisten, sondern nur Fahrspuren auf dem jeweils vorhandenen Untergrund. Mit unserem Bus heisst das zwischen 10 und 20km/h Durchschnittsgeschwindigkeit um den Verschleiss am Auto möglichst gering zu halten. Wenn etwas kaputt geht, muss man selber flicken. Nach zwei platten Reifen wäre uns das fast passiert. Eine Zeit lang mussten wir jeden Morgen wieder pumpen weil einer Luft verlor. Noch rechtzeitig erreichten wir Hovd, ein Aimagzentrum, wo es eine Reifenflickerei gab. Auf der Strecke dahin wurde es noch einsamer als zuvor, einmal fuhren wir einen Tag lang ohne eine Menschenseele zu sehen. 550km weit gab es keine Tankstelle und wir füllten sicherheitshalber unsere Ersatzkanister. Die ganze Gegend ist sehr trocken. Wir sahen aus Natursteinen aufgebaute Mauern und manchmal auch solche mit Dächern aus Holz und Lehm, die als Winterställe für die Tiere dienen. Die Temperaturen fallen hier im Winter bis zu minus 40 Grad. Jurten hatte es über weite Strecken sehr wenige, vermutlich waren sie zurzeit an einen anderen Ort gezogen. Dafür gab es sonst auf der Strecke viele sehr interessante Begegnungen, allerdings auch eine sehr unangenehme. Noch vor Hovd passierten wir das Aimagzentrum Altai. An diesem Abend hatten wir lange nach einem geeigneten Übernachtungsplatz gesucht und waren dem Ort dabei immer näher gekommen. Wenn irgend möglich vermeiden wir Übernachtungen in der Nähe von Siedlungen und stellen das Auto so, dass man es von der Strasse aus nicht sehen kann. Endlich glaubten wir ein verstecktes geeignetes Plätzchen gefunden zu haben. Wir wunderten uns warum hier so viele Familien mit Gers und gewöhnlichen Zelten am Zügeln waren. Darum war es schwierig gewesen, einen Platz in der offenen Graslandschaft zu finden, wo man uns nicht schon von weitem gesehen hätte. Bevor wir endlich gut standen, wären wir um ein Haar noch in einem Zieselbau  steckengeblieben. Als ich mit Royan vom Spazieren gehen zurückkam, standen 2 Mongolen vor unserem Auto. Ich dachte mir nichts dabei, weil sich schon oft Einheimische für uns interessiert hatten, aber noch nie in schlechter Absicht. Es waren zwei junge Männer die vor der offenen Schiebetür standen. Als ich näher kam sagte Walter zu Royan „gib Laut!“ und zu mir: die sin bsoffe, mir müe si loswerde! Royan bellte tatsächlich wie ein grosser, er merkte wohl auch dass etwas nicht mehr stimmte. Es gab ein Gerangel, sie versuchten zuerst auf Royan, dann auf mich und zuletzt aufs Auto mit Steinen loszugehen. Zum Glück hat nur die rechte Türscheibe einen Kratzer abbekommen, aber es dauerte eine Weile bis unser Adrenalinspiegel wieder nach unten kam. Wie Walter erzählte, versuchten sie als erstes die Fahrertür zu öffnen, um den Rucksack zu klauen. Er sass hinten und war am Lesen. Da die Tür verschlossen war, gaben sie sich als Polizisten aus und verlangten die Autopapiere und den Pass (den sie natürlich nicht bekamen). Einer stieg ins Auto, worauf Walter ihn wieder rausstiess. Dann wurden sie immer aggressiver, das Ganze dauerte fast eine halbe Stunde bis ich endlich mit Royan zurück war. Das war bisher die einzige negative Erfahrung, die wir gemacht haben. Ein Stück weit waren wir selbst schuld daran, weil wir zu nahe beim Dorf stehen geblieben waren. Wie sich später herausstellte, waren so viele Leute hier, weil am folgenden Wochenende das Nadaamfest war. Nach diesem Schreck nahm dann der Abend doch noch ein gutes Ende. Ein Lastwagen kam uns entgegen, der gross TOURIST angeschrieben hatte. Erst beim Näherkommen sahen wir das deutsche Nummernschild. Hans und Karola kamen aus der Nähe von München, hatten ein MAN-Allradlastwagen zum Wohnmobil ausgebaut und waren wie wir durch Russland in die Mongolei gekommen. Wir suchten nun zusammen einen besseren Platz und gingen erst am Morgen schlafen, so viel gab es zu reden. Sie hatten es eilig nach Hause zu kommen, da ihr Visum ablief. Schon am nächsten Tag trafen wir wieder jemand der auf eigene Faust unterwegs war. Ein Berliner mit dem Fahrrad, dem wir zwei Flaschen Wasser gaben. Wie er die Strecke bei der Hitze, der Trockenheit und der Wellblechpiste schaffte, war uns ein Rätsel. Nicht lange danach tauchte aus einer Staubfahne der nächste Ausländer auf, fast als ob nun auf dieser Strecke alle unterwegs wären, nachdem wir solange niemand getroffen hatten. Wieder ein Paar aus Deutschland, er ein pensionierter Botschafter, die beiden sind auf dem Weg nach Wladiwostock, von wo es dann nach Australien weiter geht. Sie wollen mit ihrem Bremach 3 Jahre unterwegs sein. Am Ortsausgang von Hovd liess der dort stationierte Polizist die Schranke herunter und gab uns zu verstehen, dass wir eine Mutter mit ihrem etwa 10 Jahre alten Mädchen etwa 40km mitnehmen sollten, was wir dann auch taten. Die wenigen Fahrzeuge die von hier nach Oelgi fahren, sind alle mehr als vollbesetzt, was man von unserem natürlich für mongolische Massstäbe nicht grade behaupten kann. Als wir bei ihrem Ger angekommen waren, wollten sie unbedingt, dass wir dort übernachten. Nicht weit weg war ein kleiner Fluss und an der Brücke hatten wir eine Horde Betrunkener gesehen. So blieben wir nur zum Tee, und sie schenkte uns Käse, weil wir fürs mitfahren keine Bezahlung wollten. Erst ein gutes Stück entfernt davon übernachteten wir in einem guten Versteck, denn von betrunkenen Mongolen hatten wir vorerst genug. Nun führte der Weg steiler in die Berge hinauf und die Landschaft wurde immer abwechslungsreicher. Nach einem Pass über 2600m war es mittlerweile angenehm kühl, nachdem wir drei Tage zuvor noch bei 40 Grad geschwitzt hatten. Überall rannten die Murmeltiere über die Wiesen, dazwischen helle Farbtupfer von wenigen Jurten inmitten von Tierherden, darunter auch Kamele und Yacks. Es gab ein paar Wasserdurchfahrten, zum Glück keine wirklich tiefen. Da es in der letzten Zeit vermutlich nicht geregnet hatte, machten auch die schlammigen Stücke keine Probleme. Das Wetterglück blieb uns weiterhin treu. Nicht weit von Oelgi trafen wir Phillip aus Frankreich, der mit seiner Freundin und deren Bruder in einem Ladajeep unterwegs war. Sie hatten noch zwei israelische Tramper dabei, die sie bis Oelgi mitnahmen. Von ihm haben wir viele interessante Tipps bekommen, denn er hatte genau die Strecke gemacht, die wir noch fahren wollten, und war nun auf der Heimreise über Kasachstan und die Ukraine zurück nach Frankreich. War dieser Weg früher mal ein Teil der Seidenstrasse, so ist er scheint’s nun eine Touristentrasse. Zu guter Letzt kamen uns Cäcilia und Kim aus Luzern auf ihren BMW-Motorrädern entgegen. Sie fuhren durch Nordafrika über Syrien, Jordanien, Georgien Aserbeidschan, Turkmenistan, Kasachstan und Russland in die Mongolei, weiter geht’s dann über Kirgisien, China, Pakistan nach Indien. Sie reisen solange ihnen das Geld reicht. Dagegen ist unsere Tour schon eher kurz. In Oelgi angekommen mussten wir unsere Vorräte aufstocken und eine Bewilligung fürs befahren der Grenzregion (China) beim Militär einholen. Wir wollten an den Khoton See im Tavan Bogd Nationalpark, um dort ein bisschen Pause von der langen anstrengenden Fahrerei zu machen. Zunächst wollten sie uns die Bewilligung nicht geben, weil wir keinen mongolischen Führer hatten. Dann hat es aber doch noch geklappt, und wir machten uns auf weitere 180 eher schwierige Kilometer gefasst. Der Weg hielt was er versprach, ein bisschen schlechter und wir hätten umdrehen müssen. Dafür ist die Landschaft umso schöner. Ein blauer See voller Fische, umgeben von Schneebergen und Lärchenbäumen. Ausser verstreuten Gers weit und breit Natur pur. Der See liegt auf 2000m Höhe und es gibt keine Stechmücken. An einem windstillen Abend haben die Fische so gut angebissen, dass wir mit angeln aufhören mussten, sonst hätten wir zu viele Fische gehabt. Wildtiere sahen wir auch hier keine, ausgenommen verschiedene bei uns eher seltene Vögel, wie z.B. viele Wiedehopfe und verschiedene Raubvögel. Schneeleoparden, Wölfe, Hirsche oder Argali Wildschafe machen sich rar. Speziell waren die Steinkreise von etwa 10m Durchmesser, Grabstätten der Skyten, ein Volk von dem man durch die Funde seiner Goldschmiedearbeiten immer wieder etwas hört.

Nach der schönen Zeit an dem Bergsee Khoton Nuur in der Nordwestmongolei, hätte es fast noch ein dickes Ende gegeben, denn es regnete in Strömen bei der Rückfahrt. Die Erdstrassen waren aufgeweicht, und in den grossen Wasserpfützen konnte man unmöglich wissen, wie tief das Loch oder wie schlammig der Untergrund war. Zum Glück hatte der Regen erst am Morgen eingesetzt, sonst hätten wir gleich aufgeben können. Da wir nun schneller über die kritischen Stellen fahren mussten, schaukelte das Auto so, dass wir Royan jedes Mal ausladen mussten, Er sprang danach natürlich nass und mit Dreckpfoten wieder ins Auto. Als ob es nicht schon spannend genug gewesen wäre, stand ein wütender Yackbulle im Weg, den schon das Auto, aber noch viel mehr der Hund störte. Royan hatte anscheinend das Gefühl, dass es ganz lustig wäre, den zu scheuchen und wir brachten ihn nur mit Mühe dazu, schnellstens ins Auto zu kommen. So gab es auf der Rückfahrt einige unsanfte Rumpler, neue Spuren am Boden des Autos und sicher war die Glücksfee auch am Werk, so dass wir am Ende heil in Oelgi ankamen. Zu unserem Erstaunen trafen wir unterwegs sogar noch zwei Motorradfahrer aus Deutschland, die uns auf zwei BMWs entgegenkamen. Bei einem spontanen gemeinsamen Kaffee erzählten sie von ihrer Tour nach Magadan, wo sie unterwegs die Engländer trafen, die unseren Weg an der mongolischen Grenze kreuzten. Wie sie von einem Grenzposten im Osten der Mongolei zurückgeschickt wurden und 1000km zurückfahren mussten (dorthin wären wir beinahe auch gefahren da die mongolischen Grenzer sagten, er sei für Ausländer offen!). Ohne gute Karten, geschweige denn GPS fanden sie durch die Südgobi. Erstaunt hörten sie von uns, dass sie in einem anderen Flusstal unterwegs sind, als sie gedacht hatten, was aber kein Grund zur Aufregung war, die Hauptrichtung nordwestlich zur Grenze nach Russland stimmte ja. In Ölgi konnten wir einkaufen und Diesel tanken. Dort trafen zwei Genfer, die mit ihrem VW Bus von Kasachstan kamen, sie erzählten, dass man dort keine Registrierung mehr braucht (das war wirklich eine sehr gute Nachricht!). Ab Ölgi wechselte die Mentalität der Leute spürbar, plötzlich sahen wir viele unzufriedene Gesichter, Kinder bettelten und waren aufdringlich. Ein Erwachsener versuchte mir Geld abzuknöpfen, als Eintritt für den Markt. So wurden wir vorsichtiger, vor allem in der Auswahl der Übernachtungsplätze. Ein gutes Gefühl nun Royan dabei zu haben, alle hatten nach wie vor grossen Respekt vor ihm. Auf dem Weg zur Grenze bei Tashanta, gab es sehr dicke Murmeltiere, so dick dass sie nur langsam voran kamen, darum konnten wir sie aus der Nähe bestaunten, und fast nicht glauben, dass sie so gross werden können. Als ob unsere Skepsis betreffend dem Charakter der Menschen in der Grenzregion noch eine Bestätigung brauchte, setzten die mongolischen Grenzbeamten alles daran, von uns noch etwas Geld zu bekommen. Zuerst mussten wir lange warten, dann behaupteten sie wir dürften Royan nicht über die Grenze nehmen, wollten unbedingt, dass wir ihn aus dem Auto nehmen (natürlich nur damit sie ungehindert hinein könnten). Das Dumme am Ganzen ist nur, dass man immer eine Weile braucht bis man herausfindet, welcher der Uniformierten für was befugt ist. Durch die ganze Warterei hatten wir Zeit zu beobachten, wie andere Fahrer den Beamten verschiedenes zusteckten. Von uns bekamen sie am Ende nichts, auch wenn es womöglich mehr Zeit und ein paar Nerven gekostet hat.

 

Zurück in Russland

Danach ging es einige km durchs Niemandsland zur geographischen Grenze auf 2500m Höhe. Neben dem Schlagbaum steht eine kleine Bretterbude mit einem Schreibtisch und einem Holzofen. Darin sind zwei Soldaten stationiert, mit der Aufgabe alle aufzuhalten, die dem eigentlichen Zoll weiter unten noch nicht genehm sind. Der Minibus vor uns war mit etwa 20 Leuten, darunter auch Kinder, besetzt, meist Kasachen und einige Mongolen. Sie kamen aus Ulaan Bataar und wollten nach Astana. Diese Reise geht Nonstop, es sind 2 Fahrer, angehalten wird nur zum Pinkeln oder um Essen zu beschaffen, oder eben wenn der Zoll einem dazu zwingt. Nach 3 Stunden hatte ich keine Geduld mehr und kratzte mein dürftiges russisch zusammen um zu schimpfen, zufällig kam gerade noch ein Beamter in Zivil mit einem Jeep, der ein bisschen Englisch konnte. Etwas ratlos meinte er nur: “This is russian Ordnung!“ Wir mussten lachen und die Situation entspannte sich. So machten alle aus der Not eine Tugend und es wurde ein Picknick veranstaltet, die Kasachen steuerten kaltes Pferdefleisch und Hartkäse bei und wir die Süssigkeiten. Sie schenkten Walter eine typische Kasachenkappe und strahlten, als er sie gleich aufsetzte. Am Ende hatten sie unsere Dächlikappen die Walter auf diversen Basketballturnieren bekommen hatte. Dass es manche Reisenden noch schlechter treffen, haben wir eine Weile später erfahren. Sie hatten einen Franzosen 3 Tage lang aus reiner Schikane immer wieder zurückgeschickt, bis am Ende sein Visum beinahe abgelaufen wäre. Die ganze Warterei mit den verschiedenen Stationen der Formalitäten brauchte insgesamt 6 Stunden. Auf der mongolischen Seite waren wir am Morgen bei den ersten in der Schlange gewesen und sahen auch alle Fahrzeuge die aus der Gegenrichtung kamen. An diesem Tag hatten sie 3 Lastwagen, einen Kleinbus und 5 Autos abgefertigt. Den wenigen anderen Fahrzeugen vor uns ging es nicht anders und nach uns kam niemand mehr durch, weil sie Feierabend und Wochenende hatten, am Sa/So ist der Zoll zu. Dazu muss man wissen, dass an diesem Grenzposten für uns sichtbar mindestens 30 Leute beschäftigt waren (nur auf der russischen Seite!). Es klingt wie ein schlechter Witz, aber in einem der vielen Büros mussten die zwei Angestellten tatsächlich geweckt werden, da sie mit dem Kopf auf den Schreibtischen eingeschlafen waren vor lauter Arbeit. Eine machte dann einen Stempel auf irgendein Formular und die andere notierte ich weiss nicht zum wievielten Mal unsere Passdaten in ein Rechenheft. Morgens um 9 bis abends um 5 Uhr hat das Ganze gedauert, unser bisheriger Rekord an einer Grenze. Die Fahrt durch den russischen Altai, den Tschuskitrackt hinunter, war dafür umso schöner, und die Grenze bald vergessen. Ein wilder türkisblauer Gletscherfluss, der Katun, durchquert ein mit Lärchen bewaldetes, enges Tal und zu beiden Seiten erheben sich über 4000m hohe Schneeberge, darunter die Belucha mit 4500m der höchste Berg im Altai. Die Visaregistration in Gorny Altaisk klappte dann problemlos, durch die hilfsbereite unkomplizierte Frau Inspektor, die mir sogar noch das russische Formular ausfüllte, damit ich nicht alles zusammenbuchstabieren musste. Schade dass nicht alle russischen Beamten so sein können, dann würde das Reisen um einiges angenehmer. Eigentlich wollten wir noch einige Tage am Teleskojesee verbringen, der dem Vierwaldstätersee sehr ähnelt. Leider fiel das ganze buchstäblich ins Wasser bzw. in den Dauerregen. Nach einigen Telefonaten mit dem 24h Rufnummernnotdienst Service von Mercedes in Deutschland hatten wir eine Mercedeswerkstatt in Barnaul ausfindig gemacht, die uns evtl. mit unserem Motorproblem helfen konnte. Die Werkstatt war dann erstaunlich klein, nur Platz für zwei Autos, und einige Parkplätze im Freien. Der Chef und seine Arbeiter waren alle noch jung, machten uns aber einen guten Eindruck. Sie fingen sofort systematisch an zu suchen, wo das Problem liegen könnte. So war noch am selben Tag klar, was wir fast nicht für möglich gehalten hätten. Eine der 5 Pleuelstangen war verbogen. Wir mussten Minimum eine Woche auf die Ersatzteile aus Moskau warten, was wiederum bedeutete, dass wir die Einfuhrbewilligung fürs Auto verlängern lassen mussten und somit die ganze Visumrgistriererei hier in Barnaul wieder fällig wurde. Die zuständigen OVIR Behörden waren wieder von der üblichen komplizierten Sorte, so dass ich geschlagene 2 Tage lang von Büro zu Büro und von Amt zu Amt unterwegs war. Das Ergebnis war wie damals in Petersburg gleich Null. Eigentlich ist unser ganzer Aufenthalt illegal weil wir ein Businessvisum haben und die einladende Firma uns in Barnaul nicht registrieren lassen kann. Die einzige Möglichkeit die nötigen Stempel zu bekommen ist, in eines der beiden Hotels zu gehen die den Stempel machen dürfen und somit fürs Doppelzimmer 110.- Fr zu bezahlen. Eine Nacht verbrachten wir dann notgedrungener massen dort. Der Zollbehörde reichte das nicht, sie wollten solange wie die Verlängerung fürs Auto notwendig war auch Hotelübernachtungen. Das hiess weitere Lauferei von Büro zu Büro, ein 3 seitiger Brief der Werkstatt, und das vorstellig werden beim Zollchef war nötig, bis wir endlich die Bewilligung fürs Auto bekamen. Zu allem Übel brauchten die Ersatzteile dann noch länger als geplant. Das waren die mühsamen Dinge von Barnaul. Es gab auch sehr viel Positives. Es ist eine saubere, angenehme Stadt mit sehr vielen Bäumen und gepflegten Parkanlagen. Man hat den Eindruck es herrscht Aufwind und Geschäftigkeit, nicht Resignation und Verfall wie in anderen russischen Städten. Wir waren mehrmals eingeladen, unter anderem auf einer Datscha. Dort verbrachten wir eine feuchtfröhliche Nacht mit Liedersingen und unzähligem Anstossen auf alle möglichen schönen Dinge des Lebens. Walter kam in den Genuss einer „ Generalreinigung“ in der dortigen Banja. Interessant war auch die Begegnung mit vier anderen Reisenden aus Deutschland, die ebenfalls mit ihren Autos aus der Mongolei kamen und nach Kasachstan und danach nach Kirgisien wollten. Walter bekam endlich wieder einen Profihaarschnitt, da Susanne gelernte Friseuse war. Es wurde viel erzählt, von der jetzigen und von früheren Reisen (beide reisten unter anderem mit VW Bussen in Südamerika). Nun fahren sie über China bis Indien zusammen, weiter solange wie das Geld reicht mindestens aber 3 Jahre, also viel länger als wir. In Barnaul haben wir ein neues Objektiv für unsere Kamera gefunden, ausgerechnet das grosse Zoom hatte den Geist aufgegeben.

Royan muss dort einen grossen Fanclub haben, öfter sprachen uns Leute an und wollten sogar Welpen kaufen. In der Garage konnten wir die ganze Zeit auf ihrem Vorplatz campierten. Als wir dann nach 2 Wochen endlich ans abreisen denken konnten, kam ein Team vom lokalen Fernsehsender und wollte ein Interview mit uns machen. Wir staunten nicht schlecht, kurz darauf kamen ihre Kollegen von einem anderen Sender und wollten ebenfalls eine Reportage machen. Als wir am nächsten Tag endlich unterwegs waren, stoppte uns auf der Landstrasse ein Auto, der Fahrer hatte unseren Bus wiedererkannt. Er wollte mit uns sprechen, weil er uns gestern im Fernsehen gesehen hatte, so wussten wir, dass sie es tatsächlich gesendet hatten. Auf dem Weg nach Kasachstan wurde die Landschaft immer herbstlicher. In allen Farben von rot bis geldgelb leuchtende Bäume wuchsen zwischen bizarren Felsformationen. Es entstand der Eindruck als hätte man Steinplatten waagerecht übereinandergeschichtet, daher vielleicht der Name „Matratzengranit“. Die Grenze passierten wir um einiges schneller und angenehmer als die letzte. Wir brauchten 3 Stunden und alle Grenzer waren hilfsbereit und höflich.

 


zurück

Der iranische Zoll lag direkt hinter dem Zaun, und wir hörten die ersten Worte Farsi. Der Beamte konnte kein Englisch und so ging es mit Gestik weiter, was gar nicht schlecht klappte, weil einer den anderen verstehen wollte. Alles war blitzsauber und ordentlich, fast kamen wir uns vor wie an einem europäischen Zoll. Alle wussten was zu tun war, nicht einmal wurden wir an eine verkehrte Stelle geschickt und alles lief in einer sehr angenehmen, freundlichen Atmosphäre ab. Ein junger Mann begleitete mich in die verschiedenen Büros und zum Schluss konnten wir sogar noch Geld wechseln. Nach einer Stunde war alles erledigt und sie hiessen uns im Iran willkommen und wünschten uns eine gute Reise. Erst als wir weiterfuhren realisierten wir, dass alles nicht nur schnell gegangen war, sondern auch keine Gebühren verlangt wurden. Wir passierten eine ellenlange Lastwagenkolonne, die alle Richtung Turkmenistan wollten. Kein Wunder gibt es Stau, wenn sie für die Abfertigung am turkmenischen Zoll so lange brauchen. Eine super gute Strasse führte durchs Gebirge und bald passierten wir den ersten Strassenkontrollposten. Der Polizist war freundlich und nett, wollte ins Auto schauen, war aber sehr schnell zufrieden, als er Royan sah. Auch im Iran schienen die Leute viel Respekt vor Hunden zu haben. In den wenigen Dörfern, die wir passierten, trugen die meisten Frauen den schwarzen Umhang, Tschador genannt. Es gab sehr wenig Verkehr, hauptsächlich Lastwagen die in Richtung turkmenische Grenze fuhren. Kaum hatten wir auf einem Parkplatz Halt gemacht, um zu Kochen, hielt ein iranisches Auto an mit einer ganzen Familie aus Maschad. Erstaunt hörten sie woher wir kommen, hiessen uns willkommen und wollten uns gleich in ihr Haus einladen. Die Tochter (wie alle Frauen in schwarz) konnte ein bisschen Englisch. Nachts fiel das Thermometer bis minus 4 Grad, am anderen Tag war es wieder sonnig. In Maschad, das 2 Millionen Einwohner hat, ist das bekannte Mausoleum von Imam Reza, einem Urenkel in 8. Generation von Mohammed dem Propheten. Nach Mekka ist das die wichtigste Pilgerstätte für schiitische Moslems. Der grösste Teil der Anlage, die ein bisschen an den Vatikan erinnert, ist auch für Nichtmoslems offen. Da die Bauten sehr aufwändig verziert sind, wollten wir uns das anschauen. Es war schwierig ein Hotel mit Parkplatz zu finden, die Parkhäuser waren alle zu niedrig für unser Auto. Mit Glück entdeckten wir einen bewachten Parkplatz im Zentrum, auf dem wir auch im Auto schlafen konnten. Das Personal am Eingang des Grabkomplexes besorgte uns einen englisch sprechenden Guide, als sie realisierten dass wir Touristen sind. Ich hatte mittlerweile den bereits erwähnten „Überwurf“ über der Winterjacke an. Trotzdem bekam ich noch einen Tschadohr bevor ich eingelassen wurde. Unser Guide war eine junge Frau, die sehr gut Englisch konnte und auch einen schwarzen Tschador trug. Darin sieht man aus wie eine Nonne. Sie erklärte uns alles und begleitete uns kostenlos 3 Stunden lang (vom iranischen Ministerium für äussere Angelegenheiten bezahlt). Da in Maschad die Frauen fast ausnahmslos im Tschador auf der Strasse waren, beschloss ich auf dem Bazar ebenfalls einen zu kaufen. Man konnte sich ganz gut darunter verstecken, da niemandem auffiel, dass da eine Touristin unterwegs ist. Selbst Walter konnte mich aus 20 Meter Entfernung nicht mehr von den anderen unterscheiden. Viele Mädchenschulklassen waren auch auf dem Gelände von Imam Reza, alle trugen ein anders farbiges Band am schwarzen Umhang, damit niemand verloren ging. Schon am anderen Tag war diese Verkleidung sehr nützlich beim Einkaufen, als ich auf der Suche nach einer guten Strassenkarte lange alleine unterwegs war, schaute mich keiner mehr an, weil ich aussah wie alle anderen. Nur wenn wir mit Royan unterwegs waren, fielen wir noch auf. Allerdings nicht einmal negativ, womit wir eigentlich gerechnet hätten. Im Reiseführer stand, dass Moslems Hunde als unrein betrachten und darum kein Verständnis dafür hätten, wenn ein Hund nahe bei Menschen ist. In Maschad und auch später war davon nichts zu merken. Im Gegenteil, viele interessierten sich. Einmal hatten wir eine ganze Versammlung um uns, einer davon fütterte Royan lachend mit Knochen und brachte ihm Wasser. Als wir zum ersten Mal tankten staunten wir, dass der Sprit auch im Iran so billig ist. Für umgerechnet einen Euro können wir den ganzen Tank füllen.

Von Maschad aus fuhren wir auf direktem Weg nach Süden der Wärme entgegen. Die Strasse geht durch die Wüste Lut. Ab und zu gibt es Oasen, wo Dattelpalmen und Zitrusfrüchte wachsen. Die Menschen bauen Terrassenfelder, um möglichst viel Boden mittels Bewässerungskanälen fruchtbar zu machen. Die Gebäude, mindestens die älteren sind aus Lehm gebaut und haben Kuppeldächer, ebenfalls aus Lehmziegelgewölben bestehend. Immer wieder sind wir an Ruinen solcher Lehmsiedlungen vorbeigefahren, warum sie verlassen wurden wussten wir nicht. Manche werden bereits wieder zu einem Lehmklumpen. Bei anderen erkennt man die Gebäude und die Stadtmauern aber noch so gut, dass man kein Archäologe sein muss um zu sehen, was einmal zu was diente. Es ist ein komisches Gefühl durch die alten Gemäuer zu streifen, fast meint man in eine andere Zeit schauen zu können. Einmal gab es zwei Wasserzisternen, die nun zwar ausgetrocknet waren, aber so gross und gut erhalten, dass ich erschrak, als ich plötzlich vor einem Loch von gut 20m Tiefe und etwa 10m Durchmesser stand, gemauert aus Lehmsteinen und überdacht von einer grossen Kuppel. Früher führte ein Schacht hinunter, der aber so dunkel war, dass ich mich nicht hinunter traute. An mehreren Stellen gab es fast intakte Brunnenschächte von ähnlicher Tiefe, lieber Acht geben wohin man seine Füsse setzte. Dort unten würde jemand nicht so schnell gefunden, sollte man den Sturz überleben. Wieder fanden wir in der Wüste ein schönes Fleckchen zum Campieren in einer ausgetrockneten Senke mit vielen Saxaulbäumen. Auf der Weiterfahrt am anderen Tag wurde es immer trockener, von Zeit zu Zeit sah man Brunnenhäuschen, meist auch aus Lehmziegeln gemauert und sicher schon alt. Vermutlich können die Hirten dort ihre Ziegen und Kamele tränken. Wie die sich von den trockenen niederen Büschen ernähren können, ist mir ein Rätsel. In Ferdows kauften wir ein, per Zufall sahen wir eine kleine Konditorei. Es gab eine grosse Auswahl von Kuchen und süssen Stückchen. Als ich etwas ausgesucht hatte und der Besitzer erfuhr, wo wir herkommen und was wir im Iran machen, schenkte er mir das ganze Päckchen Kuchen mit den Worten, wir seien Gäste und er wünsche uns alles Gute. Zumindest glaube ich, dass er sinngemäss das gesagt hat. Er konnte wenig Englisch und ich kein Farsi. Auf der Weiterfahrt kamen wir wieder an einer verlassenen Lehmstadt vorbei. Wir hielten an um Fotos zu machen, als uns ein Milizjeep mit einem fixmontierten MG auf der Ladefläche überholte. Die afghanische Grenze ist in der Nähe dachten wir noch, als sie auch schon neben uns waren. Sie kontrollierten alles sehr genau. Da sie kein Englisch sprachen, funkten sie wohl deshalb zu ihrem Stützpunkt. Dann mussten wir mitkommen. In der Kaserne konnte auch niemand Englisch, also musste das Wörterbuch herhalten. Es stellte sich heraus dass es verboten war die Ruinen zu fotografieren, und so mussten wir die Fotos von den Ruinen löschen. Danach waren sie zufrieden, wir weniger, denn was so Geheimes an dem alten Gemäuer sein sollte, wollte uns nicht so recht einleuchten. Ein paar Fotos haben wir dennoch behalten. Später erfuhren wir, dass der Opiumschmuggel von Afghanistan aus, über diese Gegend abgewickelt wird und die Ruinen wohl als Versteck dienen.

Ein paar Tage zuvor hatte es geregnet, denn in den Vertiefungen standen Pfützen. Ein merkwürdiger Anblick, da sonst alles so vertrocknet war. Einige der Saxaul Sträucher blühten und winzige Gräschen lugten an vielen Stellen aus dem Sand. Es fehlte nicht viel und wir wären in diesem Sand steckengeblieben, als er in einem ausgetrockneten Flussbett plötzlich tief wurde, weil darunter noch Wasser floss. Ab und zu sahen wir Kamele (lebende und Skelette), die bergige Landschaft war sehr farbig, nicht weil etwas wuchs, sondern weil die Felsen alle möglichen Schattierungen, von weiss über Ocker bis Rot und Schwarz hatten. Kurz vor Kerman gab es Steinbrüche. Schneeweisser Marmor wird dort abgebaut. In Kerman angekommen fanden wir ein Hotel, bei dem wir die Toilette benutzen durften und im Hinterhof stehen konnten. Die Überraschung war gross, als am Abend ein grosser Magiruslastwagen mit Wohnkiste und Esslinger Nummernschild durchs Tor gefahren kam. Er gehörte Jochen und Christine, die auf dem Weg nach Indien waren und nächstes Jahr im Mai wieder zu Hause sein wollen. Anscheinend gibt es mehr Reisende die mit so grossen Gefährten unterwegs sind, als welche mit VW oder Mercedesbussen. Nachdem wir etwas von der Stadt angeschaut hatten, ging’s weiter Richtung Bam. Es zog uns magisch südwärts in die Wärme, wo die Abende im Auto gemütlicher würden. Zuerst hatte ich eine Erkältung und nun hatte es Walter erwischt. So wie daheim wenn’s im November kalt wird. Gefroren hatte es nachts schon mehrmals, mit einem zusätzlichen Schlafsack, und einer Bettflasche konnten wir uns warm halten. In der nächsten Nacht pfiff ein kalter Wind und es schneite lange Zeit. Am nächsten Morgen schien die Sonne auf eine frischverschneite Pulverschneelandschaft, das Auto sah aus, als wäre es in einen Schneesturm geraten. Ich hatte Mühe die zugefrorene Schiebetür zu öffnen. Das Thermometer zeigte draussen minus 8 Grad und in Royans Wasserschüssel musste ich eine Eisschicht aufklopfen. Der Morgenspaziergang durch die weisse Landschaft liess fast Advendtsgefühle aufkommen, in 2 Tagen war schliesslich Samichlaustag. Danach mussten wir auf der verschneiten Strasse erst noch die Steigung bis zu einer alten Zitadelle schaffen, bevor wir staunten wie gut die Gebäude renoviert worden waren. So mussten die Ruinen die wir unterwegs gesehen hatten, im Originalzustand ausgesehen haben. Wir bekamen eine Vorstellung, wie viel damals in Bam bei dem Erdbeben kaputtgegangen war. Auf der Weiterfahrt hatte es auf der vereisten Strasse viele Unfälle gegeben. Es waren oft mehrere Fahrzeuge beteiligt. An einer Stelle waren 2 Lastwagen umgestürzt, ein Reisebus die Böschung hinuntergefahren und 2 Personenwagen hatten Totalschaden. Bei der risikofreudigen Fahrweise besonders bei Überholmanövern, ist es eigentlich kein Wunder wenn bei Schneefall und Glatteis viele verunfallen. Je näher wir Bam kamen, desto wärmer wurde es. Bam ist eine riesige Dattelpalmenoase und eine einzige Baustelle, seit dem Erdbeben von 2003. Vieles muss improvisiert werden und man sieht Container stehen, wo daneben an neuen Häusern gebaut wird. Es sieht aus als ob damals kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist. Vor allem die alte Lehmzitadelle ist völlig zerstört. Mit japanischer und anderer ausländischer Hilfe wird versucht wenigstens einige markante Gebäude wieder herzurichten. Die Anlage ist abgesperrt und man kann nur wenige Stellen besuchen. Wir bekamen die Erlaubnis dort auf dem bewachten Parkplatz zu übernachten, die Hotels die im Reiseführer standen, waren nicht mehr zu finden. Wir standen direkt vor den Resten der alten Stadtmauer und es war Vollmond. Plötzlich sah Walter, dass sich oben etwas bewegte, was er zuerst für eine Katze hielt. Verblüfft sahen wir dann zwei Wölfe die Böschung entlang traben, bevor sie im Palmenwald verschwanden. Am anderen Morgen ging ich mit Royan ebenfalls durch die Dattelpalmenplantagen, man sah dass den Leuten die Zeit fehlt alles zu pflegen. Das Dach über dem Kopf hat sicher Priorität. Viele Datteln lagen überreif am Boden und die Bewässerungsgräben waren teils verstopft oder kaputt. Überall lagen Trümmer und Schutt von Wohnhäusern die hier gestanden hatten und nun niemand mehr da ist, der sie wieder aufbaut. Dahinter leuchteten die Schneeberge in strahlendem Weis. Vielleicht kommen die Wölfe ja wirklich im Winter in wärmere Gegenden, wo es etwas zu fressen gibt. An diesem Tag hatten wir schon 17 Grad und mussten die Gardarobe wechseln. Wir kamen noch an einigen Flussoasen vorbei, bei denen alles bewässert wird und neben Dattelpalmen auch Mandarinen und Orangenbäume wachsen. Hier leben Beluchen die teils noch Nomaden sind. Sie haben ähnliche Jurten wie die Mongolen, nur sind die Dächer aus Palmwedeln gemacht. Manchmal sehen die Behausungen sehr ärmlich aus, besonders wenn es drum herum so trocken und staubig ist während in der Nähe schön grüne Dattelpalmen und andere Bäume wachsen. Viele Menschen erinnern vom Aussehen her an Inder oder Pakistani, oder sogar an Schwarzafrikaner. Das liegt anscheinend daran, dass rund um den persischen Golf der Handel und die Seefahrt eine sehr alte Tradition haben und viele Fremde in der Gegend geblieben sind.

Wir erreichten das Meer wie erhofft bei angenehm warmem Sommerwetter. Die Landschaft mit den speziell en Felsformationen wäre allein schon den Besuch wert gewesen. Bei einem schönen Platz am Meer und beschlossen ein paar Tage Pause einzulegen. In den Dörfern sind die Frauen verschleiert und kleine Mädchen tragen bereits Kopftücher. Trotzdem sind sie sehr offen und freundlich. Auf einem Spaziergang mit Royan habe ich zwei beim Holzsammeln angetroffen. Obwohl ich nur ein paar Worte Farsi kann, haben wir uns irgendwie verständigt, viel gelacht und sie haben mir alles Gute gewünscht und den Schleier weggenommen, als sie merkten dass kein Mann in der Nähe war. Es gibt tatsächlich noch etwas Merkwürdigeres als Gesichtsschleier. Die Frauen einer bestimmten Volksgruppe tragen hier Ledermasken vor dem Gesicht die knallrot sind, und wie eine Verlängerung der Nase einen langen Schnabel haben. Sie haben mich an venezianische Carnevalsmasken erinnert. Die ersten habe ich auf einem Markt gesehen und muss wohl ein ziemlich verblüfftes Gesicht gemacht haben. Eine der Frauen fragte nämlich zweimal, ob ich die Tomaten nun will oder nicht. Es sieht für unsere Augen allzu unnatürlich aus, wie eine Maske auf der Fasnacht. Ich kann mich schon schwer an das ewige Kopftuch oder den Umhang gewöhnen, wenn ich so etwas tragen müsste hätte ich auf eine Reise hierher verzichtet. Der Golf von Oman hat türkisblaues Wasser und einen breiten km langen Sandstrand. Ausser einigen Fischern trifft man kaum jemand. Weil es geregnet hat sind nun alle Büsche grün und ab und zu wächst in einer Senke auch eine Dattelpalme. Ansonsten sind überall Sandhügel und die Flut spült viele Muscheln, Schneckenhäuschen und Seesterne an den Strand. Es hat nur leichte Wellen und der Sandstrand ist so fest, dass sogar Walter mit dem Rollstuhl vorwärts kommt. Heute hab ich zum ersten Mal versucht mit dem Umhang zu schwimmen, das Kopftuch wie eine Badekappe aufgetürmt. Es ging gar nicht so schlecht wie ich dachte, das Wasser war schön warm und ich hab es sehr genossen.

Unser Platz am Strand südlich der Strasse von Hormus war gleichzeitig der südöstlichste Punkt unserer Reise. Am 12. Dezember machten wir uns auf den Weg Richtung Nordosten. Von nun an ging’s also definitiv wieder heimwärts. Wir passierten einige Fischerdörfer, einmal wollten uns auch welche in ihren Booten mit zum Fischen nehmen, was wir uns dann nicht getrauten. Wir wussten nicht wie lange sie weg sein würden, Royan hätte die ganze Zeit im Auto warten müssen und ausserdem war da schon wieder die verflixte Sprachbarriere. Sollten wir je wieder hierher kommen, müsste einer von uns unbedingt ein wenig Farsi lernen. Immer wieder sahen wir Pelikane und Schwärme von Kormoranen. Neben der Strasse wuchsen vereinzelt dornige Büsche, zwischen denen ab und zu Ziegen und Schafherden nach Futter suchten, immer in Begleitung eines Hirten. Vorbei an grossen Dattelpalmen Plantagen bei der Stadt Minab, erreichten wir Bandar Abbas. Eigentlich hatte uns eine Iranische Familie, die wir am Meer getroffen hatten, eingeladen sie in Minab zu besuchen. Wir taten es dann doch nicht, weil wir uns zu wenig gut verständigen konnten. Stattdessen verging fast ein Tag bis wir die Post aufgegeben hatten, im Internet waren und im örtlichen Bazaar eingekauft hatten. Manchmal habe ich mich gewundert, dass ich nach der ganzen Sucherei in den verwinkelten Gängen des Bazaars den Ausgang und das Auto wieder gefunden habe. Walter hatte dort gewartet und inzwischen schon wieder eine Einladung ablehnen müssen. Einen Standplatz fanden wir auf dem Parkplatz eines Hotels am Strand. Im hoteleigenen Gartenrestaurant gingen wir am Abend essen, Royan hatten wir im Auto gelassen. Unser Tisch wurde von sechs Katzen belagert, die auf ihren Teil des Nachtessens warteten. Viele davon sind langhaarig, eben Perserkatzen. Allerdings haben sie ganz normale Gesichter, nicht flache wie die Rassekatzen bei uns. Trotzdem wollte auch im Iran dauernd jemand unseren Hund kaufen, auf dem Land und in der Stadt, vielleicht weil er ein Ausländer ist. Auf der Fahrt westwärts der Küste entlang, suchten wir einen guten Platz um dort Weihnachten zu verbringen. In der Nähe von Dörfern wollten wir nicht stehen, weil wir sonst dauernd wieder eingeladen worden wären. Ausserhalb führten selten Wege ans Meer und Hotels oder gar Campingplätze gab es keine. Dort wo die Strasse am Meer entlang führte, konnten wir auch nicht bleiben, weil man das Auto von der Strasse aus gleich gesehen hätte. Eine Nacht verbrachten wir auf dem Gelände eines Picknickplatzes, ausserhalb des Ortes. Nachts kam die Polizei in Begleitung eines mit MG bewaffneten Soldaten. Nach der Kontrolle unserer Pässe waren sie sehr nett, aber Lust auf eine weitere Nacht hatten wir trotzdem nicht. Am anderen Morgen bellte Royan dann plötzlich hinter dem Auto, als ob er einen Geist gesehen hätte. Als ich nachschauen wollte, war nichts zu sehen. Er stellte die Haare, bellte immer weiter, klemmte aber komischerweise den Schwanz ein und war nicht zu bewegen vom Auto wegzugehen. So ging es fast 10 min lang. Er konnte sich fast nicht mehr beruhigen. Leider haben wir nicht herausgefunden, was ihn so erschreckt hat. Es muss irgendein Tier gewesen sein, das sich blitzschnell aus dem Staub machte. Später haben wir bei einem anderen Zwischenstopp zwei Goldschakale oder etwas Ähnliches gesehen. Sie trotteten seelenruhig am Auto vorbei, waren aber doch schnell verschwunden. In den ausgetrockneten Flusstälern haben die Menschen viele Zisternen gebaut, um das kostbare Nass aufzufangen. Von weitem sieht es aus, als ob jemand in der Landschaft Hütchen aufgestellt hätte. Die Zisternen sind aus Ziegelsteinen gemauert, mit einem Durchmesser von 5 bis 10 Meter. Sie ragen auch etwa 5 bis 10 Meter aus dem Boden. Wir haben öfter Leute dort mit Eseln Wasser holen sehen. Manchmal sahen die Flusstäler aus wie grüne Savannen, beinahe wie die Bilder die man aus Afrika kennt. Dann entdeckten wir einen Feldweg, der Richtung Meer führte, bis zu einer Fabrikhalle die noch im Bau war. Da wir gesehen hatten, dass dahinter eine wunderschöne Sandbucht lag, fragten wir ob wir dort campieren könnten. Weit und breit gab es sonst keine Häuser. Die Leute bauten dort eine Fischmehlfabrik, alles im Doityourself- Verfahren. Natürlich erlaubten sie uns zu bleiben, und wollten unbedingt, dass wir gleich mit ihnen essen und das Auto auf ihrem Hof abstellten. Als wir erklärten, dass wir das Auto ans Meer stellen, und dann kochen wollten, kamen sie mit um uns alles zu zeigen. 5 min später kam jemand mit dem Motorrad und dem Menü für uns ans Meer gefahren. Wären wir nur gleich mit ihnen an den Tisch gesessen, dann hätte es weniger Umstände gegeben. Die Grosszügigkeit und die Gastfreundschaft der Iraner hat uns mehr als einmal verblüfft und manchmal fast überfordert. Sie konnten kein Englisch und so mussten wir eben mit Pantomime und viel Phantasie auskommen. Zwei Tage später erlebten wir was es heisst, wenn es in der Wüste regnet. Hinter unserem Auto bildete sich in kurzer Zeit ein kleiner See, und die harte Erde ringsum hatte sich in einen richtigen Sumpf verwandelt. Zum Glück dauerte der Spuck nur einen Tag, sonst hätten wir mit dem Abfahren lange warten müssen. Der Feldweg war zum Bach geworden und einen Tag später noch immer von Schlammlöchern unterbrochen. Es klarte schnell wieder auf und wurde sogar warm genug zum Baden. Die Sandbucht lag etwa 7m tiefer als das restliche Gelände. Da die Gegend menschenleer war und unsere Nachbarn mit ihrer Baustelle beschäftigt, konnte Walter auf der Klippe Wache schieben und ich unten ungestört baden. So dachte ich wenigstens. Plötzlich sah ich dann zwischen den Wellen etwas Dunkles auftauchen und sofort wieder verschwinden. Natürlich fiel mir gleich ein, dass der Mann gestern gesagt hatte, dass es hier manchmal Haie gibt. Danach war ich ungeplant schnell wieder aus dem Wasser. Eigenartigerweise hatte Walter das Ding auch gesehen und nicht gewusst was es sein könnte. Wie eine Haifischflosse aus dem Film hatte es nicht ausgesehen, aber die Lust auf Schwimmen war mir doch vergangen. Der grosse Regen hatte eine Viper aus ihrem Winterquartier vertrieben. Die „Fabrikbauer“ zeigten sie uns, sie sah aus wie eine grosse helle Kreuzotter. Wieder mal war ich froh, dass sich jetzt in der kühlen Jahreszeit, Skorpione und Schlangen verkrochen haben. Sonst wäre die Chance gross gewesen, dass vor allem Royan unangenehme Bekanntschaft mit ihnen gemacht hätte. Nur selten fand ich mal einen Skorpion, wenn ich Steine zusammensuchte um die Räder zu unterlegen damit der Bus gerade stand. Überhaupt habe ich bei den Spaziergängen mit Royan so manchen Stein genauer angeschaut. Es gibt sehr viele versteinerte Muscheln und Schneckenhäuschen, die meist in trockenen Bachbetten liegen. Komisch war, dass manchmal bis zu einem km vom Strand entfernt alte Austern und viele grosse Meeresschneckenhäuser zu finden waren. Wir fragten uns welche Katastrophe sie vor vielen Jahren so weit ins Land hineinbefördert hatte. Möglicherweise auch so etwas wie ein Tsunami. Von den Austern ist nur noch die Perlmuttinnenfläche übrig, und manchmal schillert der Sand in allen Farben, wenn sie an der Oberfläche zum Vorschein kommen. Ganze Korallenstöcke ragen zwischen den Dornbüschen hervor.

Am Tag danach hatte es genug abgetrocknet um weiter zu fahren. Nach einem halben Tag Fahrt erreichten wir Bandar Chiru dort war die Strasse wegen Hochwasserschäden gesperrt. Es hatte Brücken weggerissen und wir sahen die Fahrer von zwei Jeeps, die ihre Autos wieder frei schaufelten. Sie hatten versucht den Weg durchs Flussbett zu nehmen, das anscheinend noch lange nicht trocken genug war. Wir mussten zurückfahren, und eine Strasse durchs Landesinnere nehmen. Bandar Chiru ist ein kleines Fischerdorf, dort wird ein neuer Hafen gebaut. Zufällig hatten wir ausgerechnet den Ingenieur der Baustelle nach dem Weg gefragt, und er konnte Englisch. Wenn wir etwas brauchten, sollen wir es nur sagen und campieren oder wohnen könnten wir gerne bei ihm zu Hause. Wieder so ein Beispiel spontaner iranischer Hilfsbereitschaft. Auf der Rückfahrt sahen wir Fischer am Strand, die gerade mit dem Boot zurückwaren. Ob sie wohl einen verkaufen würden? Sie hatten zwei grosse und verstanden nicht warum ich nur einen wollte. Den zweiten gaben sie uns einfach dazu. Da erst merkte ich, dass beide noch lebten, der grössere war etwa einen halben Meter lang und ziemlich dick. Ich fragte ob er sie nicht töten könne (oder versuchte es mindestens per Gestik!). Er bedeutete mir mit in sein Haus zu kommen. Seine Frau bekam den Auftrag die Fische für mich auszunehmen. Anscheinend ist das hier keine Männerarbeit! Zum Glück verstanden die Frauen, dass ich unbedingt wollte, dass sie den Kopf abhauen. Ich weiss nicht ob sie sie sonst zuerst getötet hätten. Danach gab’s zwei Tage lang Fisch, und den kleineren mussten wir wegwerfen, weil er schlecht wurde. Am 20. Dezember fanden wir einen Platz am mit Palmen, Akazienbäumen, einem WC und einem Wasserhahn, kurz ein richtiges Weihnachtsgeschenk nach der langen Sucherei. Etwa 10 km entfernt lag das kleine Städtchen Gavbandi, weiter im Landesinneren. Vermutlich hatte man den Picknickplatz an der Sandbucht direkt neben einem kleinen Fischerdörfchen, für die Städter als „Naherholungsgebiet“ eingerichtet. Kaum waren wir da, gab es schon Besuch von jungen Männern aus dem Dorf, alle auf Motorrädern. Nachdem wir auch dieses Mal nicht mitkommen wollten, wir aber gefragt hatten wo man Brot kaufen kann, kam kurz darauf einer mit dem Motorrad aus dem Dorf und brachte uns eine Tasche Fladenbrot. Bezahlen durften wir es nicht. Vermutlich hatte es seine Familie zu Hause selber gebacken. Die meisten Häuser haben einen runden Lehmbackofen, darin wird Feuer gemacht und wenn er heiss ist klebt man die Pizzaähnlichen Teigfladen einfach an die Wände, wo sie sehr schnell backen. Solange sie frisch sind und man mehrere Lagen davon übereinander stapelt, schmecken sie sehr gut. In grösseren Siedlungen gibt es Bäckereien, dort kann man zu bestimmten Zeiten am Tag frisch gebackenes Fladenbrot kaufen. Oft sind sie schwer zu finden, meist schauten wir einfach, wo die Leute mit Brotstapeln unter dem Arm herkamen. Da das Wetter warm und sonnig war und wir einen Wasserhahn in der Nähe hatten, flatterte schon bald wieder die Wäsche im Wind. Bald merkten wir, dass die Motorradfahrer Fischer waren, die eine Abkürzung am Strand entlang nahmen, um an den nicht allzu weit entfernten Hafen zu gelangen. Schnell kannten sie uns alle und wir sie, sie winkten zum Gruss, fragten ab und zu ob wir was brauchten und wie es geht. Interessanterweise heulten jeden Abend bald nach dem Eindunkeln Schakale. Wenn Royan zurückheulte, verstummte meist der ganz Chor für kurze Zeit. Zu sehen bekamen wir sie leider nie, nur ein paar hochbeinige graue Füchse zeigten sich einmal im Licht einer Lampe. Um ein bisschen Weihnachtsstimmung zu haben, machte ich Mailänderli und Nussmakronen in der Teflonpfanne. Als Wallholz musste eine Flasche herhalten und als Ausstechförmchen eine ausgediente Filmdose. Wir hatten selbstgemachte Bienenwachskerzen von Papa und als Weihnachtsbaum standen ein paar grüne Akazienzweige in einer Vase. Fürs Abendessen wollten wir den Fischern etwas von ihrem Fang abkaufen. Am Tag zuvor waren wir am Hafen und hatten dort nebst vielen kleinen Booten auch alte Holzschiffe gesehen. Man konnte noch die abgesägten Masten erkennen. Früher mussten das Zweimast Segelschiffe gewesen sein, bevor man einen Motor einbaute. Ich glaube sie freuten sich richtig, dass sie etwas für uns tun konnten, wieder liessen sie uns partout nicht bezahlen, also noch ein Weihnachtsgeschenk. Im Iran heissen die Christen „Masihi“ was so viel bedeutet wie Fischer. Am 26. Dezember machten wir uns auf die Weiterreise und wollten in Gavbandi noch mal einkaufen. Ein junger Mann sprach uns auf Englisch an, er studierte an der Uni Englisch und wollte Dolmetscher werden. Wir nutzten die Gelegenheit um zu fragen, wo wir unseren Wassertank auffüllen könnten. Das endete damit, dass wir bei im Zuhause im Wohnzimmer sassen, ein Essen serviert bekamen und die halbe Nachbarschaft auch noch zu Besuch kam, um zu schauen was für sonderbare Gäste da seien. Es war sehr interessant, denn dieses Mal konnte jemand übersetzen. Die Nacht verbrachten wir in Asalujeh. Dort wird eine riesige Petrochemie Anlage erstellt sogar mit Flughafen. Überall brennen Gasfackeln, der ganze Strand ist abgesperrt und verbaut mit grossen Raffinerieanlagen. Man glaubt plötzlich auf einem anderen Stern gelandet zu sein. Das abgesperrte Gelände ist zwar riesig, aber zum Glück kamen auch wieder Abschnitte, wo die Landschaft noch unverbaut war. Von dem alten Hafenstädtchen Taheri aus, soll angeblich Sindbad der Seefahrer stammen. Mitten im Dorf sieht man Ausgrabungsfelder, welche aber nur für archäologisch versierte interessant sind. Der Küstenstrasse entlang gibt es von Zeit zu Zeit Festungen, sie gleichen alten Burgen, sind aber Stützpunkte für Militär oder Polizei. So ganz auseinanderhalten konnten wir das nie. Vor allem an der Afghanischen Grenze und der Küste entlang hatte es viele davon. Kurz vor dem Städtchen Kangan fanden wir noch mal einen Platz mit Palmen am Meer. In der Nähe lag das Gelände einer Gas Company die dort Probebohrungen machten, im Moment aber anscheinend alle in den Ferien waren. Nur ein „Aufpasser“ mit zwei jungen Hunden übernachtete in den Wohncontainern, und besuchte uns manchmal. Er war ein sehr guter Schauspieler, denn wir haben so einiges voneinander erfahren, trotzdem er nur farsi und arabisch konnte. Er hiess Mahamad, war Araber und versorgte uns jeden Tag mit etwas anderem, Mandarinen, Pistazien, Kartoffelflips, Fruchtsaft was er gerade so eingekauft hatte. Geld nahm er nie dafür, er bekam von uns aber dann eines der letzten Sackmesser. Am letzten Tag erzählte er, sein Haus sei abgebrannt. Das klang so unwahrscheinlich, dass wir es erst glaubten, als er eine Zeichnung von der Feuerwehr machte. Es war kälter geworden und er hatte anscheinend mit dem Feuer nicht aufgepasst. Eine Versicherung hatte er nicht. Seiner Frau sei nichts passiert und das Haus baue er halt wieder auf. Man hatte den Eindruck, dass er einfach beschlossen hatte, den Verlust sobald als möglich wieder auszugleichen.

Die Gegend ist sehr trocken und steinig, trotzdem bauen die Leute etwas an und ziehen dafür Bewässerungsgräben, die sie mit dem Wasser aus den Zisternen füllen. Ein alter Mann kam täglich entweder mit den Geissen oder für die Feldarbeit. Einmal hat er seinen Esel zum Pflügen eingespannt. Er hatte einen Holzpflug von der Art, wie es sie schon seit Tausenden von Jahren gibt. Auch hier prallen ganz verschiedene Zeitepochen auf engsten Raum aufeinander. Im Osten die hypermodernen Raffinerien und 100 km weiter westlich wird ein Atomkraftwerk gebaut.

Am 4. Januar hiess es dann Abschiednehmen von der warmen Golfküste. Zunächst kamen wir durch Wälder von Dattelpalmen und Zitrusplantagen. Wohin man schaute hatte es Mandarinen und Orangenbäume. Die Früchte wurden an vielen Strassenständen verkauft. Wir erreichten Bishapur „die schöne Stadt des Shapur“ nachdem sich die Strasse steil durch eine lange Schlucht hinaufgeschlängelt hatte. Es ging über einen kleinen Pass und hatte zum ersten Mal wieder Schnee. Ein kühler Wind wehte von den Bergen. Französische Archäologen legten 1940 ein Teil des Geländes frei, viel davon ist heute noch unter Schutt und Erde begraben. Im Jahr 266 n. Chr. liess der damalige König Shapur diese Stadt erbauen, nachdem er in Urfa, das liegt in der heutigen Türkei, die Römer unter Kaiser Valerian besiegt hatte. Dabei nahm er 70`000 römische Soldaten gefangen, die dann am Aufbau eben dieser Stadt beteiligt waren. In mehreren grossen Felsreliefs haben seine Steinmetze diesen Sieg verewigt. Auch Teile eines Tempels für die Fruchtbarkeitsgöttin Anahita stehen noch. Die riesigen Steinquader sind so nahtlos zusammengefügt, dass man vor der Leistung der damaligen Baumeister nur Respekt haben kann. Danach fuhren wir weiter nach Shiraz, vorbei an Steineichenwäldern und Weingärten, ein eher seltener Anblick im Iran. Wein darf im Iran nicht mehr hergestellt werden. Wieder ging’s über eine Passtrasse, wo beidseits noch Schnee lag. In Shiraz entdeckten wir auf der Suche nach einem Standplatz einen englischen Landrover mit Campingausbau. Wie sich herausstellte gehörte er Ollie und Allie. Sie waren auf dem Weg nach Indien, wo er hoffte eine Stelle als Mathe- und Physiklehrer zu finden. Sie kamen aus der Türkei und berichteten von sehr kalten Tagen mit Temperaturen zwischen - 10 und –20 Grad. Ihre Heizung war zu allem Übel kaputtgegangen und sie hatten zwei Wochen lang nachts immer alle Kleider angezogen die sie dabeihatten. Da müssen wir uns wohl auch auf kalte Nächte einstellen!? (Die Holländer hatten uns in einem sms bereits von –30 Grad geschrieben). Sie schenkten uns ihren Lonely Planet Reiseführer von der Türkei, den sie nicht mehr brauchten. Wir waren sehr froh darüber, vor allem die kleinen Stadtpläne sind manchmal Gold wert. Am nächsten Tag schauten wir die Stadt und den schönen Bazar an. Dort ist alles mit Backsteinkuppeln überdacht und die Gassen der Tuchhändler werde ich nie mehr vergessen. Ein Meer aus farbigen Stoffen oft mit Goldfäden durchwirkt, was nur noch mehr glitzerte und strahlte. Anscheinend ziehen sich die Frauen unter ihren dunklen Umhängen umso farbenfroher an. Am Abend erreichten wir Persepolis und hatten einen schönen Standplatz unter Kiefern. Auch Royan war beschäftigt, weil es erstaunlicherweise viele freilaufende Hunde im Wald hatte. Diese imposante Anlage liegt auf einer fruchtbaren Hochebene, wo man Siedlungsspuren aus dem 5. Jahrtausend v.Chr. fand. Deutsche Archäologen machten hier in den 20er und 30er Jahren Ausgrabungen und konnten beweisen, dass die Stadt von König Darius im 5. Jahrhundert vor Chr. erbaut wurde. Seine Nachfolger Xerxes und Ataxerxes erweiterten sie noch. 332 v.Ch. wurde sie von Alexanders Truppen besetzt und ging in Flammen auf, von diesem Inferno sieht man heute noch Spuren an den geborstenen Steinen. Alexander soll damals für den Abtransport seiner Beute 10 000 Maultiere und 5000 Kamele gebraucht haben. Auch das wenige das unversehrt blieb ist noch eindrücklich genug. In Sichtweite liegen auch die grossen Felsengräber der ehemaligen Herrscher.

Danach ging es noch weiter hinauf ins Hochland nach Pasargad auf 1900m gelegen. Von dieser Stadt aus soll etwa 550 v.Chr. das persische Weltreich seinen Anfang genommen haben. Teile des Palastes von Kyros dem Grossen sind noch zu sehen, sowie dessen Grabpyramide (von der übrigens schon Alexander und später Marco Polo berichtete). Wir bekamen immer mehr das Gefühl, dass man im Iran fast über die Weltgeschichte stolpert, da es so viele Ruinen und Gebäude aus alter Zeit gibt. Am Morgen hatten wir –2 Grad im Auto und Eisblumen an den Fenstern. Draussen pfiff ein kalter Wind bei –7, vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in der Türkei noch erwartete. Aber es war sonnig und beim Fahren wurde es bald angenehm warm. Wir stoppten auf dem Gelände einer alten halbzerfallenen Karawanserei um zu frühstücken, denn inzwischen war es im Auto warm geworden. Royan stöberte durch die alten Mauern, wo es nach Ziegen und Mäusen roch, da die grosse Anlage als Stall genutzt worden war. Bei uns wäre das ein Museum gewesen, so gut erhalten wie alles war.

Nach einem 2300m hohen Pass erreichten wir am Rand der Wüste Lut die alte Stadt Yazd. Sie liegt an der früheren Handelsstrasse nach Indien. Die Freude war gross, als wir auf dem Hotelparkplatz den englischen Landrover stehen sahen. Sie hatten sich im Hotel Silk Road ein Zimmer genommen, um nicht wieder zu frieren. Wir assen gemeinsam zu Abend und hatten viel zu erzählen. Walter und ich konnten ein bisschen Englisch üben. Yazd hat eine grosse Altstadt mit engen Gassen, durch die kein Auto passt. Alle Häuser dort sind mit Lehmsteinen gebaut. Sie haben statt Kaminen sogenannte Windtürme, die in den glühend heissen Sommern für ein wenig Kühlung sorgen. Natürlich gibt es auch einen Bazar und viele alte mit blauen Kacheln verzierte Moscheen. Man bräuchte tagelang bis man alles angeschaut hätte. Wir machten es meist kurz. Zum einen wegen Royan und zum anderen weil Walter schnell mal das Gefühl hatte, alle Moscheen und Minarette und sowieso Bazare sehen gleich aus. In einer Persischen Konditorei haben wir sehr feines Gebäck gekauft und gestaunt dass wir vom Chef persönlich bedient wurden. Er hatte uns angesprochen (weil man uns die Ausländer wohl schnell ansah)denn er konnte gut Deutsch weil er in Stuttgart studiert hatte. Eigentlich war er Chemiker und hatte zuvor in Teheran gearbeitet. Nun da sein Vater erkrankt war, ist er nach Yazd gezogen, um das Familienunternehmen mit 300 Angestellten weiterzuführen. Ganz glücklich sah er allerdings nicht aus. Bis Isfahan schafften wir es an diesem Tag nicht mehr und fragten den Portier einer neu gebauten staatlichen Fabrik, ob wir auf dem riesigen leeren Parkgelände übernachten dürften. Nach ein paar Nachfragen erlaubten sie es. Mittlerweile waren auch ein paar Hunde aufgetaucht. Darunter eine läufige Hündin und zwei erwachsene Rüden. Royan wollte natürlich unbedingt zu den Hunden, da nützte auch der längste Spaziergang als Ablenkung nicht viel. Er jammerte solange, bis wir ihn schliesslich entnervt doch noch hinausliessen. Danach war er erst mal 4 Stunden unterwegs, kam schnell zurück um die Wasserschüssel leer zu trinken und verschwand nochmal. Beim zweiten Mal hatte er endlich genug und lag sofort auf seinen Platz unter dem Bett. Erst am Morgen sahen wir, dass er wohl mehr als eine Prügelei hinter sich hatte. An mehreren Stellen Bisswunden und sicher noch mehr blaue Flecken, zum Glück nichts wirklich Schlimmes. In Najn einem kleinen Städtchen vor Isfahan besuchten wir eine Freitagsmoschee aus dem 13. Jahrhundert und ein altes Bürgerhaus aus Lehmsteinen, das man renoviert und zum Museum gemacht hatte. Die Leute hier bauten ihre Häuser früher mehrstöckig in den Boden hinein, wegen der Hitze. Meist ragt nur eine Etage aus dem Boden und eine grosse Lehmmauer ohne Fenster bildet den Abschluss zur Strasse hin. Mehrere kunstvoll gebaute Windtürme sorgten für Kühlung wie heutige Klimaanlagen. Die Gebäude sind um einen Innenhof herumgebaut, der mit Obstbäumen, Blumen oder Palmen bepflanzt ist und oft ein Wasserbecken hat. Je heisser es im Sommer wurde, desto tiefer unten lebten die Bewohner. Angeblich sind maximale Temperaturen von 50 bis 60 Grad keine Seltenheit.

Als wir in Isfahan endlich einen Standplatz fanden, wurde es schon dunkel und bissig kalt. Wieder sank nachts das Thermometer auf -8 bzw. –2 Grad im Auto. Isfahan ist eine sehr schöne Stadt, mit vielen alten Gebäuden und einem Fluss, auf dem sich unzählige Wasservögel tummeln. Es gibt Brücken die 400 Jahre alt sind. Am Flussufer entlang sind auf der ganzen Länge Parkanlagen, ideal um mit Royan spazieren zu gehen, auch gross genug um anderen Leuten auszuweichen. Die Iraner haben wie gesagt ein etwas merkwürdiges Verhältnis zu Hunden, entweder sind sie völlig begeistert oder sie reagieren als ob wir mit einem Tiger an der Leine spazieren würde. Im Zentrum liegt ein grosser Platz, ringsherum alte Paläste und Moscheen mit Rasenflächen. Pferdekutschen warten wie in Wien auf Kunden. Natürlich gibt es viele Händler und Souvenirgeschäfte. Auch wir sind im Geschäft eines Teppichhändlers gelandet, allerdings nur zum Plaudern und Tee zu trinken, da die Teppiche die uns gefallen hätten eine Nummer zu gross für unser Portemonnaie waren. Nach 3 Tagen sind wir nach Kashan weitergefahren, dort gibt es mehrere renovierte alte Teppichhändlerhäuser. Gegen diese Paläste war das Bürgerhaus in Najn grad mal eine Hütte. Von aussen allerdings sahen sie genauso unscheinbar aus. Es hatte zwar überall Treppen und Stufen aber wir waren völlig baff, was sich hinter den Lehmmauern alles versteckte. Auch einen Hammam, ein altes Badehaus konnten wir besichtigen, das eine Zeit lang als Restaurant diente und nun renoviert und zum Museum wurde. Es war kunstvoll mit Gewölben gemauert und wunderschön verziert.

Der Verkehr nahm zu, je weiter wir Richtung Teheran kamen. Die Landstrasse wurde zu einer breiten Autobahn mit Raststätten. Im Iran werden überall neue Strassen, Brücken und Unterführungen gebaut. In keinem anderen Land sahen wir so viele Baustellen wie hier. Dabei sind die „alten“ Strassen auch schon halbe Autobahnen und alles andere als schlecht. Viele Afghanen arbeiten als Gastarbeiter hier, nun wissen wir auch, dass man in einem grossen Teil Afghanistans Farsi spricht. Darum verstehen sie die Iraner, sind aber nicht immer gut auf sie zu sprechen. Warum konnten wir allerdings nicht herausfinden, vielleicht fühlen sie sich ausgenutzt. Natürlich wollten sie wissen warum wir nicht nach Afghanistan gereist sind. Sie haben nur gelacht, als wir sagten dass wir vor den Taliban Angst hätten. Einer erzählte dann aber heimlich, dass er von Herat käme und die Taliban sein Haus dem Boden gleich gemacht hätten. Wobei die Situation in Herat zur Zeit anscheinend noch relativ stabil ist, verglichen mit anderen Regionen. In Yazd haben wir zwei junge Iren kennen gelernt die in Kabul als Lehrer arbeiten. Was sie erzählten, war sehr interessant. Iran hilft den Leuten in Herat anscheinend mit billigem Gas und Benzin. So können sich die Menschen mehr leisten, sind zufriedener und damit auch friedlicher, da sie nicht am absoluten Minimum leben müssen. Die Situation in Kabul ist anscheinend ganz anders, es gibt dort viel humanitäre Hilfe, aber von Menschenrechten allein, werden die Leute auch nicht satt. Die Wohnungspreise beispielsweise sind so hoch wie in der Schweiz, weil es dort so viele Ausländer gibt die bereit sind den Betrag zu zahlen. Natürlich eine katastrophale Situation für die Einheimischen, die nur über einen Bruchteil des Geldes eines Europäers verfügen können. Eine ziemlich vertrackte Situation, wie man dem Land aus dieser Krise helfen könnte.

Vorbei an einem Salzsee kamen wir der Gebirgskette bei Teheran immer näher. Ein Berg überragt mit seinen 5600m die ganze Kette wie eine weisse Pyramide. Direkt davor liegt Teheran. Von der Autobahn aus sieht man auch die Grabstätte Khomeinis. Angehalten um den „Holy Shrine“ zu besichtigen haben wir nicht. Wir hatten beide das Gefühl, genug Mausoleen gesehen zu haben. Fast auf jeder Raststätte hatte es nun ganze Rudel grosser Hunde, die dort anscheinend von den Abfällen lebten. Einmal sah ich eine Hündin mit 8 Jungen. Gott sei Dank sahen sie alle gut aus. Unter einem Erdhügel hatten sie ihre Höhle, sonst wären sie bei den Temperaturen sicher erfroren und im Sommer verglüht. Royan war mittlerweile vorsichtiger geworden, anscheinend hatte er die Nacht auf Brautschau noch nicht vergessen. Mittlerweile hatten wir –10 draussen und morgens –4 im Auto. Dann am 16. Dez erreichten wir Tabriz, das Wasser war im Auto nun eingefroren und auch nach einem Tag heizen während der Fahrt nicht mehr aufzutauen. Da die Sonne nicht immer durch die Hochnebeldecke kam, blieb es auch am Tag sehr kalt. Wir mussten Mineralwasser kaufen, da nun der Filter nicht funktionierte und damit sauberes Trinkwasser fehlte. Gut hatten wir noch einen kleinen 5 Liter Kanister dabei, so hatten wir Wasser zum Waschen. Das Abwasser sammelten wir in einer Schüssel, auch der Abfluss war eingefroren. Tabriz ist bekannt für seinen Teppich Bazar dort kauften wir einen kleinen Perserteppich ein Kelim aus Seide als Wandteppich. Auf dem Weg zur Grenze ist uns ein „schildbürgerstraich“ passiert. Da wir bisher mit den Iranern durchwegs so gute Erfahrungen gemacht hatten, sind wir wohl zu unvorsichtig geworden. Aber Halunken gibt es überall und solchen sind wir leichtsinnigerweise auf den Leim gegangen. Auf der Autobahn in der Nähe eines Parkplatzes stoppte uns der Beifahrer eines Autos, indem er den Warnblinker laufen liess und uns an den Rand winkte. Eine Polizeikontrolle dachten wir während dem Anhalten. Fast routinemässig machte ich erst mal alle Türen von innen zu, da wir uns nach Kirgisien vorgenommen hatten, dass so schnell keiner mehr ins Auto steigt. Ein Herr in Anzug kam zum Auto, war sehr höflich, (Welcome in Iran usw....) und wollte unsere Pässe kontrollieren. Er sei von der Autobahn- und Drogen Polizei. Wir fragten ihn nach seinem Ausweis, woraufhin er den im Auto holte. Einiges in Farsi stand neben seinem Passbild und auf Englisch POLICE. Also zeigten wir ihm die Pässe, die er auch zurückgab. Dann wollte er ins Auto schauen. Ich öffnete die Schiebetür und hielt Royan demonstrativ fest. Das hielt ihn erst mal auf Abstand. Dann kam aber unsere Unvorsichtigkeit, er stieg zur Beifahrertür ein und wollte den Rucksack sehen. Sie suchten eben nach Heroin und anderen Drogen. Er roch an allem, auch am Portemonnaie, sah natürlich das nicht viel Geld drin war und fragte wovon wir unsere Reise finanzierten. Mit Kreditkarten behaupteten wir, die er auch sehen wollte. Danach verschwand er schnell, zu schnell für unser Gefühl. Komisch dachten wir noch, aber die Pässe und Kreditkarten hatten wir ja. Mir war aufgefallen dass er nervös war, weil seine Finger, auf die ich ihm so genau zu gucken glaubte, leicht gezittert hatten. Erst am Abend realisierten wir, dass er Franken und kleinere Euronoten, zusammen etwa 100 Euro geklaut hatte. In dem Moment, als er das Portemonnaie an die Nase hielt, musste er die Noten geschickt herausgezogen haben. Am meisten ärgerten wir uns über unsere eigene Dummheit! Wenigstens hatte er nicht so viel bekommen wie er wohl gehofft hatte.

Mittlerweile lag dichter Schnee und ausser der Hauptstrasse war alles vereist. Grad an dem Tag als wir über die Grenze wollten stotterte der Motor. Wahrscheinlich verstopfte der Dieselfilter weil es so kalt war. Als wir ihn eine Zeit lang auf Standgas laufen liessen, ging‘s danach problemlos. Am 19. Januar überquerten wir die Grenze zur Türkei, was relativ reibungslos klappte. Die Iraner waren wie schon zuvor nett und hilfsbereit. Einem Polizisten erzählte ich die Story mit der Drogenpolizei. Natürlich war es keine Polizei gewesen, leider haben wir uns die Autonummer nicht aufgeschrieben. Dem Beamten die Sache ziemlich peinlich. An der Grenze erfuhren wir auch, dass wir eigentlich eine Iranische Autonummer gebraucht hätten, war aber weiter auch kein Problem.

 


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Auf der Usbekischen Seite lief alles sehr korrekt und professionell ab, sie stempelten sogar unser Carnet de Passage ab (obwohl es für Usbekistan gar nicht gültig ist) waren schnell mit allem fertig und wünschten uns eine gute Reise. Die angenehmen 23 Grad, die Sonne und die netten Leute im Fergana Tal sorgten für einen sehr angenehmen Start in Usbekistan. Den vielen Bewässerungskanälen entlang stehen Maulbeerbäume. Mit den Blättern werden die Seidenraupen gefüttert, mit deren Zucht die Bauern hier etwas dazuverdienen können. Die gewonnen Kokons werden ebenfalls in dieser Gegend weiterverarbeitet. Das Tal ist sehr dicht besiedelt und ein Dorf fängt an, wo das andere aufhört. Vor den Häusern wachsen überall Weinreben und in den dahinterliegenden Gärten und Feldern Melonen, Peperoni, Tomaten, Kraut, Rüebli, Kartoffeln, Granat Apfelbäume, Aprikosen, Pfirsich, Birnen, Zwetschgen, Apfel und Nussbäume wachsen dort ebenfalls. Das meiste wird von den Produzenten gleich am Strassenrand verkauft, so dass es uns an frischem Obst und Gemüse die nächste Zeit nie mangelte. Am Abend mussten wir bei einem Grundstück um einen Parkplatz fragen, weil kein ungenutztes Plätzchen zu finden war. Die Felder und Baumplantagen gehörten einem ausgewanderten Krimtartaren, der uns gleich Tee und etwas zum Essen anbot. Dazu sitzen alle auf einem Holzgestell, das aussieht wie ein grosses Doppelbett und mit Polstern und Rückenlehne ausgestattet ist. In der Mitte liegt eine Art Tischtuch, darauf wird das Essen oder der Tee serviert. Schon seit einiger Zeit hatten wir diese Diwane in den vielen Tschaikanas (Teestuben/Restaurants) am Strassenrand gesehen, nun sassen wir zum ersten Mal selbst darauf. Auf der Weiterfahrt stellten wir immer wieder fest, dass hier vieles ordentlicher und gepflegter ist, als in den Ländern zuvor. Es gab zwar viele Polizeikontrollen, aber sie waren alle nett und korrekt. Sogar die Strassen waren sehr gut im Vergleich zudem was wir vorher gefahren waren. In Margilan, das als Zentrum der Seidenproduktion bekannt ist, besichtigten wir eine Fabrik. Wir konnten den ganzen Prozess der Seidenherstellung, vom Abwickeln der Kokons bis zum fertigen Seidenstoff oder Seidenteppich beobachten. Die Fabrik wurde erst vor kurzem privatisiert. Sie arbeiten mit sehr alten Maschinen und mit viel Handarbeit. Es sind fast ausschliesslich Frauen angestellt, besonders die Seidenweberinnen an den hölzernen Webrahmen bewegten den Webstuhl so flink, dass man fast nicht so schnell gucken konnte. Trotzdem dauert es sehr lange bis eine Stoffbahn fertig ist. Die Teppichknüpferinnen schaffen 1cm pro Tag. Ein Wunder, dass die fertigen Teppiche überhaupt zu bezahlen sind.

Anscheinend wird ein Grossteil der Autos aus dem deutschsprachigen Raum importiert, denn auf den Bussen und Lieferwagen, ist immer die alte Reklame noch drauf, zum Beispiel „Alpirsbacher Klosterbräu“ oder „ Wir bewegen die Stadt“ usw. An dem Tag überholte uns einer mit der Aufschrift : „Wie der Schreiner kanns Keiner“ . Stimmt dachte ich, an unserer Inneneinrichtung ist trotz der ganzen Rüttelei noch nichts kaputtgegangen, obwohl am Auto schon ein paar Schrauben locker waren. Verena, meine Schwester ist Schreiner und hat die Möbel gemacht.

An diesem Abend standen wir bei einem kleinen Bauernhof, der junge Familienvater war der Veterinär des kleinen Ortes. Genau wie alle anderen Leute in der Gegend hatte er eine kleine Herde Schafe und Ziegen und war mit dem bewässerten Ackerland vermutlich Selbstversorger. Als er am Abend mit den Schafen nach Hause kam, waren wir bereits am Kochen. Ich zeigte ihm den Pfannkuchenteig, um ihn zu überzeugen, dass er uns nicht zum Essen einladen braucht. Auch dass wir sehr dankbar für seine Parkerlaubnis sind. Er konnte kein Russisch, wir dachten aber er hätte trotzdem verstanden. Nach etwa einer Stunde brachte er uns ein komplettes Nachtessen zum Auto. Anscheinend meinte er, wir wollten nicht in sein Haus kommen. Die Gastfreundschaft der Usbeken übertrifft alles, was wir bis jetzt erlebt haben. Wir waren froh, dass wir noch etwas dabei hatten, was wir seinen beiden kleinen Kindern schenken konnten. Das schöne Wetter hielt immer noch an, als wir auf einer 4 spurigen Autobahn, vorbei an 4000m und 5000m hohen Schneebergen, nach Taschkent fuhren. Dort mussten wir unser Visum registrieren lassen, was wir dieses Mal mit Hilfe einer Hotelübernachtung erledigen wollten, um nicht wieder auf eines dieser mühsamen Ovir-Büros zu gehen. Im Hotel Usbekistan nächtigten wir für unsere Verhältnisse recht luxuriös. Es war rollstuhlgängig, hatte saubere grosse Zimmer und wir durften den Hund mitnehmen. Der Parkplatz lag unter schattigen alten Bäumen und war bewacht, ausserdem konnten sie die Visas registrieren. Alle diese Vorzüge sind auf einem Haufen nicht so selbstverständlich, entsprechend fürstlich war auch der Preis mit 70 Dollar fürs Doppelzimmer. Eine Nacht verbrachten wir im Hotelzimmer, die nächsten beiden im Auto auf dem Parkplatz. Dort lernten wir Rüd und Anja kennen, deren blauer Toyota Landcruiser ebenfalls dort geparkt war. Die beiden Holländer kamen aus Kirgisien und wollten weiter nach Turkmenistan und Iran. Obwohl sie Ende März wieder in Holland sein mussten, planten sie über Pakistan nach Indien zu fahren. In Taschkent warteten sie auf das turkmenische Transitvisum. Taschkent ist zwar eine alte Stadt an der Seidenstrasse, wurde aber durch ein Erdbeben völlig zerstört, so dass sie heute sehr modern wirkt. Alte Gebäude sind praktisch keine erhalten geblieben. Mit Royan erregten wir noch mehr Aufmerksamkeit, als in den anderen Ländern

In Städten kann man von der Polizei gebüsst werden, wenn man mit einem dreckigen Auto unterwegs ist. Der Parkwächter des Hotels bot uns an das Auto zu waschen, verlangte aber einen Touristenpreis von 30$, soviel verdient er wahrscheinlich in 2 Wochen. So blieb der Bus dreckig bis ich ihn auf dem Weg nach Samarkand selber gewaschen habe. Ein Vogelschwarm hatte denselben Baum als Übernachtungsplatz ausgesucht wie wir. Als wir mit Royan vom Abendspaziergang zurückkamen sahen wir die Bescherung. Obwohl wir schleunigst umparkierten, hatte das Auto schon ein Fliegenpilzmuster abgekriegt. Die Hinterlassen schafften wären morgen auf dem heissen Blech vermutlich eingekocht worden.

In Samarkand bestaunten wir die alten Medressen, Moscheen und Mausoleen. Teils stammen die mit glasierten Kacheln verzierten Bauten aus dem 15./16. Jahrhundert. Unwillkürlich denkt man an die Geschichten aus Tausend und einer Nacht. Vor allem wenn in den alten Gewölben viele Händler ihre Teppiche, Seidenstoffe und Schmuck anbieten, sieht es aus wie bei Ali Baba in seiner Räuberhöhle. Nachdem wir in Samarkand das prächtig ausgestattete Grabmal von Timur (ein früherer Herrscher in dieser Gegend, die Beschreibung seines Charakters hätte durchaus zu der Geschichte von Sherezade und dem tyrannischen Sultan gepasst) besucht hatten, sahen wir in Shabrisafz die Überreste seines Palastes. Ein Teil der alten Lehmstadtmauer steht noch und man hat eine Statue von ihm aufgestellt (Seine Abbilder sind fast so häufig wie die von Lenin in Russland). Anscheinend identifizieren die Usbeken sich sehr mit ihm, alle Hochzeitspaare kommen zu dem Denkmal, um sich dort fotografieren zu lassen. Vor dem Brautpaar und der Prozession von Hochzeitsgästen gehen Trommler und Männer, die in lange Hörner blasen (es hört sich ein bisschen an wie eine Guggenmusik an). Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz des einzigen Hotels am Ort, war das nächste Ziel Buchara, die Stadt von Ibn Sina (wer den „Medicus“ gelesen hat, weiss vielleicht etwas von dem Gelehrten). Unterwegs passierte dann etwas sehr trauriges, das vor allem mir lange Zeit nicht mehr aus dem Kopf ging. Noch jetzt habe ich ein schlechtes Gefühl und muss wieder weinen wenn ich es aufschreibe. Ich wollte auf einem Markt Brot kaufen und musste über einen Strassengraben springen. Im Graben sah ich ein kleines Fellbündel und dachte, schon wieder ein totes überfahrenes Tier. Im letzten Moment sah ich, dass sich das Fell ganz wenig vom Atmen bewegte. Entsetzt stellte ich fest, dass es ein Hundebaby war, noch so klein, dass es kaum die Augen offen hatte. Krabbeln konnte der Kleine auch noch nicht. Er hatte überhaupt keine Chance, höchstens seine Mutter würde ihn wiederfinden, wie auch immer er dorthin geraten war. Ich hätte ihn mitgenommen, Walter aber nicht. Bald mussten wir die Turkmenische Grenze passieren. Wir konnten nur hoffen, dass wir an der Grenze das Visum bekommen und Royans Einreise klappen würde. Wie also mit einem zusätzlichen Hund, den man in dem Alter und in der Verfassung unmöglich impfen konnte in diesem Land einreisen? Ganz zu schweigen von den anderen Grenzen. An den Marktständen fragte ich, aber niemand wollte ihn haben. Kein Wunder es gibt so viele streunende Hunde. Am Ende setzte ich ihn heulend an ein sonniges Plätzchen. Den Moment als ich weggehen musste und sein Blick werde ich nie mehr vergessen, ich hatte noch nie so ein schlechtes Gewissen. Ich weiss es war falsch, aber ich wusste keinen Ausweg, vor allem weil wir den Zeitdruck mit dem organisierten Führer an der turkmenischen Grenze hatten. Das Schlimme ist, ich weiss auch heute keinen Ausweg aus dem Dilemma. Das Leben ist manchmal sehr grausam.

Der grösste Teil der Strecke nach Buchara ist Wüste mit vereinzeltem, niederem, trockenem Gestrüpp. Aber es wachsen Saxaulbäume. Wo es sehr trocken ist, werden sie nicht grösser als mannshohe Büsche. Bis sie richtige Stämme bekommen sind sie schon sehr alt. An den Zweigen hängen grüne 10 bis 20 cm lange Würstchen, die etwa einen mm dick, und prall mit Wasser gefüllt sind. Diese Würstchen sehen aus wie die Stängel von Schachtelhalmen und hängen an den Zweigen, ähnlich wie bei einer Trauerweide. Einen ganzen Wald davon fanden wir abends auf der Suche nach einem Campingplatz. Die Bäume standen locker verstreut in sandigen Hügeln. Man kommt sich vor, wie in einer Parklandschaft oder in einem Märchenwald. In den Senken war der Sand so fest gepresst, dass Walter mir Royan spazieren gehen konnte. Im Sommer gibt es in der Kyzilkumwüste Schlangen und Skorpione, die sich nun aber schon ins Winterquartier verzogen hatten, so konnten wir Royan beruhigt herumstöbern lassen. Die seltenen Hasen waren sowieso eine Nummer zu schnell für ihn. Einmal fand er einen alten Schildkrötenpanzer. Die merkwürdig geformten Löcher im Boden stammten womöglich von Schildkröten die sich dort eingegraben hatten. Ich hatte die Tunnels vorher immer für Schlupflöcher von Igeln gehalten. Ansonsten sahen wir in dieser unwirtlichen Gegend nur einige Kamele und Hirten mit ihren Schafen und Ziegenherden. In Buchara fanden wir einen Stellplatz mitten in der Altstadt, die es dort wirklich noch gab. Sehr viele alte Lehmbauten mit unzähligen engen Gassen, wo nur Fussgänger oder Zweiradfahrer noch durchkommen. Es hat alte Karawansereien, und unter anderem einen Platz, der um ein Wasserbecken herumgebaut wurde. Am Rand stehen Maulbeerbäume so dick, dass sie womöglich so alt sind wie das Wasserbecken. Das Lyabi-Hauz wurde 1620 erbaut. Die ältesten Gebäude stammen aus dem 13. Jahrhundert, die meisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wir staunten wieder von neuem über die Kunst der Maurer die all die Bogen und Gewölbe errichtet hatten, von den kunstvollen Verzierungen ganz zu schweigen. Rüd und Anja aus Holland haben wir in Buchara wieder getroffen. Sie hatten ihr Transitvisa für Turkmenistan am Ende doch noch bekommen, als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten. Dass wir wegen Royan oft angesprochen werden, daran hatten wir uns schon gewöhnt. Dieses Mal war es ein Mexikaner mit Frau und Kind, ebenfalls Tourist wie wir. Dann erzählte er allerdings, dass er in Kabul lebt und Manager eines Reiseunternehmens ist das Touren durch Afghanistan organisiert. Wir staunten nicht schlecht, er bot uns sofort an, ein Expressvisum für uns zu besorgen, als er hörte dass wir unser eigenes Auto dabei haben, riet er uns aber doch, dieses an der Grenze stehen zu lassen und besser mit in seinem Jeep zu fahren, da seine Fahrer die Minenfelder und die sicheren Passagen besser kennen. Das Ganze nennt sich dann Hochsicherheitsreisen. Wir lehnten dankend ab. Auf dem Bazar von Buchara machten wir uns auf die Suche nach einem passenden „Überwurf“ für mich, wie Walter es nannte. Im Iran herrschen immer noch Kleiderregeln. In etwas mehr als einer Woche würden wir dort einreisen. Schliesslich kaufte ich zwei grosse Wollschals die ich bei einer Näherin zu einem Poncho zusammennähen lies, und fertig war der Überwurf, knielang wie vorgeschrieben. Sogar beim Coiffeur war ich noch, wieder ein Erlebnis für sich (musste an Mani Matters Lied denken, warum er so gern zum Coiffeur geht). Ein Internetcafé hatten wir ausfindig gemacht, leider noch immer keine Nachricht vom Reisebüro in Almaty. Wir konnten nur hoffen, dass der Führer an der Grenze wie abgemacht, um neun Uhr morgens auf uns warten würde. Bisher kannten wir weder seinen Namen noch seine Telefonnummer. Zwei Tage blieb uns noch und so konnten wir Khiwa anschauen. Dafür mussten wir den Amurdaya überqueren, der auf seinem Weg zum Aral See so viele Felder bewässern muss, dass er schon vorher versickert, was mit ein Grund ist, dass der Aral See austrocknet. Das erste Mal hatte eine Eisenbahnbrücke gleichzeitig als Strasse gedient. Dieses Mal waren Pontons vertäut, über die man fahren konnte. Daneben lag noch eine Fähre für den Fall, dass der Fluss plötzlich Hochwasser hätte. Das sandige trockene Flussbett hatte allerdings riesige Ausmasse.

Khiwas gesamte Altstadt ist mit einer hohen Stadtmauer umsäumt. Dort müsste ein Regisseur kaum etwas ändern, um einen Film aus dem 15./16. Jahrhundert zu drehen. Aus dieser Zeit stammen die meisten Gebäude. Im 8. Jahrhundert wurde die Stadt zum ersten Mal urkundlich erwähnt, der Legende nach hat sie Sem, Noahs Sohn gegründet, als er dort eine Quelle fand, dessen Volk den Ort Kheivak nannte, woraus später Khiwa wurde. Schade dass das Wetter inzwischen radikal geändert hatte, nach den angenehmen 20 Grad in Buchara war es nun knapp über Null und regnete zeitweise sogar. Nicht gerade ideales Campingwetter und so machten wir uns frühzeitig auf die Suche nach dem Zollposten von Konja Urgench. Als wir ihn gefunden hatten, fragten wir den usbekischen Grenzsoldaten ob wir dort die Nacht verbringen könnten, was auch erlaubt wurde. Ein kleines Dorf war in der Nähe und die einzige Möglichkeit für einen Spaziergang mit Royan war die Strasse mittendurch. Das wäre weiter kein Problem, hätten die Usbeken nicht so grosse Hirtenhunde mit einem ausgeprägten Schutztrieb. Da normalerweise kein Fremder durchs Dorf läuft, und schon gar nicht mit einem Hund, wusste ich nicht so genau, was uns erwarten würde. Die meisten bellten nur oder waren angebunden, bis aus einem Hof dann grad 3 grosse Rüden wütend bellend wie ein Überfallkommando angestürmt kamen. Einer davon war etwas ängstlich und so waren 2 gegen 2. Es passierte nichts, ich war aber froh, dass ich einen anderen Rückweg fand. Später lief eine interessante Hündin auf der Strasse herum. Royan kam nicht bis in ihre Nähe, weil ein Hofhund von der Grösse eines Bernharddieners und der Statur eines Rottweiler etwas dagegen hatte. Grosser asiatischer Hirtenhund heisst die Rasse, oder Alabey in Turkmenisch. Was dann kam verblüffte mich. Royan blieb stehen wie eine Statue, während der Grosse mit einem Satz auf ihn sprang. Es sah aus als ob er auf ihm reiten wollte. So blieben sie eine Weile bewegungslos, der Grosse knurrte die ganze Zeit (nach dem Motto: „Mach ja keine falsche Bewegung!“) liess Royan dann aber los, der etwas steif in meine Richtung stapfte, sichtlich erleichtert, dass er heil davongekommen war. Wieder ein Beweis, dass es auch ohne Beisserei geht. Am anderen Morgen standen wir pünktlich um 9 Uhr am usbekischen Zoll. Da die Zöllner weniger pünktlich waren, dauerte es doch eine Stunde bis wir durch waren.

 


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Wir beschlossen die Grenze bei Taraz zu überqueren, um das Tal aus dem der Schriftsteller Dschingis Aitmatov stammt, hinauf zu fahren. Hätten wir gewusst was für eine Story daraus werden sollte, vermutlich wären wir auf direktem Weg nach Bischkek gefahren. Am der kasachischen Zoll ging alles glatt, ausser dass sie die Hundepapiere wieder obergenau registrierten (fast 1 Stunde lang). Bei der Einreise hatte kein Hahn danach gekräht. Die kirgisischen Grenzer waren partout nicht dazu zu bringen, uns einen Einreisestempel in den Pass zu machen (vielleicht hatten sie gar keinen??). Man sollte meinen, das wäre kein grosses Problem. Allerdings hatten wir bereits erlebt, wie genau manche Beamte beim Ausreisen alles nachprüften. Wahrscheinlich um eine „Strafna“ zu verlangen, wenn nicht alle vorgeschriebenen Sachen vorhanden sind. Nach der Polizei musste ich ins Zollhäuschen und staunte nicht schlecht, als der Beamte mir lächeln mitteilte, dass die Ausstellung der Zollpapiere 100 Dollar koste. Ich erklärte ihm dann ebenso freundlich, dass wir keine Kapitalisten seien und darum keine 100 Dollar übrig hätten. Als er die verlangten 100 Franken nicht bekam, war er weniger freundlich. Da wir genauso hartnäckig blieben, öffnete er nach einer Weile die Schranke und wir fuhren weiter. Das Dumme war, dass das Auto nun eigentlich gar nicht eingeführt war, und wir auch nicht beweisen konnten, wo wir eingereist waren, da auch der Stempel im Pass fehlte. So gingen wie in Bischkek direkt zur Schweizer Botschaft. Dort wollten wir den Brief von Iren mit der grünen Versicherungskarte fürs Auto abholen. Einer jungen kirgisischen Botschaftsangestellten schilderten wir unser Problem. Sie setzte sich sehr energisch für uns ein weil sie die Korruption ebenfalls hasste. Eine Woche lang war unser täglicher Weg zur Botschaft. Jamilia ärgerte sich sehr über das Verhalten der Behörden, schrieb ein paar böse Briefe, war auf verschiedenen Ämtern und führte unzählige Telefonate. Da ich die Amtsstuben in Russland kannte, konnte ich mir vorstellen warum sie am Telefon manchmal etwas laut wurde. Am Ende kam es zu einer Gegenüberstellung bei der Walter und ich den betreffenden Beamten wiedererkennen sollten. Zwei waren anwesend die an dem besagten Tag Dienst hatten, vom dritten gab es nur ein Foto. Schnell war klar, dass es keiner der beiden war und auch der auf dem Foto sah anders aus. Wir mussten eine Skizze machen in welchem der Gebäude wir um das Geld gefragt worden waren. Danach war die Verwirrung perfekt, denn angeblich gab es dieses Haus gar nicht. Per Zufall stellte sich heraus, dass durch ein Missverständnis die Beamten von einem anderen Grenzposten anwesend waren. Frustrierend für alle, denn nun hatten wir das Papier noch immer nicht, und alles ging von vorne los. Mit einem Schreiben vom Polizeichef, falls wir in eine Kontrolle kommen sollten, fuhren wir dann zum Issykul See, mit dem Versprechen in etwa einer Woche wieder in Bischkek zu sein, um anhand von Fotos zu sagen, wer das Geld verlangte und um das Zollpapier zu bekommen. Ausserhalb der Stadt stoppte uns prompt ein Polizist mit Polizeistock. Komischerweise waren die Polizisten in Zivil und zu dritt. Einer zeigte zwar seinen Ausweis, da wir aber weder wussten wie die hier aussehen, noch ihn so schnell lesen konnten, heisst das ja nicht viel. Die Sache wurde immer merkwürdiger. Dank Royan trauten sie sich nicht ins Auto, was sie ansonsten sofort gemacht hätten. Als wir nur die Kopien unserer Pässe zeigten, versuchte einer mir die Dokumentenmappe wegzunehmen und Walter konnte noch rechtzeitig verhindern, dass der andere den Rucksack packte. Als wir ihnen die Visitenkarte der Schweizer Botschaft vor die Nase hielten, verschwanden sie dann überraschend schnell. Später versuchten es noch einmal welche mit der gleichen Masche. Dieses Mal vorgewarnt, verlangte ich zuerst seinen Ausweis, um den Namen zu notieren. Nachdem er das nicht zuliess, wussten wir woran wir waren. Die anderen allerdings auch, worauf sie ohne weiteres abzogen. Am zweiten Tag fanden wir ein ideales Plätzchen am See und genossen die schöne Landschaft und das warme Herbstwetter. Ab und zu gab’s Besuch von netten Einheimischen und am nächsten Tag stiessen die beiden Paare aus Deutschland zu uns. Danach sah es aus wie auf einem Campingplatz. Alle nützten die Zeit. Am Berliner Auto wurden zwei Reifen gewechselt, bei uns die abgelaufenen Bremsklötze ersetzt, und Frank aus Konstanz werkelte ebenfalls am Auto. Ringsrum flatterte die Wäsche zum Trocknen und es war sogar warm genug zum Baden. Walter und ich fuhren nach ein paar Tagen weiter, wir wollten den See umrunden. Die anderen kamen ein kurzes Stück mit, um Felszeichnungen anzuschauen. In ein paar Tagen werden sie in China einreisen. Leider wurde das Wetter schlechter, es schneite und kühlte bis auf 3 Grad ab. Zum Glück kam die Sonne bald zurück, sonst hätten wir von den verschneiten Bergen ringsum nichts gesehen. Bei Wind schlagen die Wellen ans Ufer und man hat das Gefühl man sei am Meer. Das klare, blaugrüne Wasser ist leicht salzhaltig und der See ist 11 Mal grösser als der Bodensee und 700m tief. Er friert nie zu und an den Ufern gedeihen Apfel-, Nussbäume und sogar Weintrauben. Früher war die ganze Region für Ausländer verboten, da die Russen hier Torpedos und U Boote testeten. Zu Zeiten Stalins liessen sie fast das ganze damalige kirgisische Parlament hier verschwinden, erst jetzt wurde das Massengrab gefunden, unter den Opfern war vermutlich auch der Vater von D. Aitmatov (Kirgisischer Schriftsteller) . Das ist die dunkle Seite der russischen Ära, allerdings wurden die Leute damals kostenlos medizinisch versorgt und mussten für die Bildung nicht bezahlen. Heute verdient ein Lehrer 40 Dollar im Monat, und ärztlich behandelt wird nur derjenige, der auch bezahlen kann. Die Korruption geht soweit, dass selbst Ministerposten gekauft werden. Das erzählte uns ein Mitarbeiter von Helvetas, den wir getroffen haben. Landschaftlich ist Kirgisien wunderschön, aber die Leute haben kein einfaches Leben, was man manchen Gesichtern gut ansieht.

Vom See aus mussten wir nochmals nach Bischkek auf die Schweizer Botschaft. Alle dort kannten uns schon und Jamilia hatte tatsächlich die nötigen Zollpapiere bekommen. Anhand von Fotos konnten wir den betreffenden Beamten wiedererkennen, der das Geld von uns verlangt hatte. Nun gibt es eine Anzeige wegen Korruption. Vermutlich überlegt er sich in Zukunft besser, ob er von ausländischen Touristen Geld verlangen will, das einzig wirklich positive an der ganzen Sache. Nach einiger Zeit im Internet und Einkaufen auf dem Markt, geht die Reise weiter Richtung Usbekistan.

Die Nächte in den Bergen werden bereits ziemlich kalt und es bilden sich die ersten Eisblumen an den Fenstern. An vielen Stellen der Hochweiden sehen wir die Spuren von Jurten, die den Sommer über dort aufgebaut waren. Im Gegensatz zu den Mongolen verbringen die Kirgisen nur den Sommer in Jurten, um im Winter dann in Häuser umzuziehen. Vorbei an Kochkor erreichten wir Naryn, von wo aus wir über einen über 3000m hohen Pass nach Jalal-Abad wollten. Da es schon mehrmals geschneit hat, erkundigen wir uns sicherheitshalber und erfahren prompt, dass der unbefestigte Weg vor dem nächsten Frühjahr nicht mehr zu passieren ist. Steinschlag und Erdrutsche sind, sobald es nass wird immer möglich, und so machen wir zwangsläufig einen Umweg über Suusamyr. Die verschneiten Berge scheinen in Kirgisien schier endlos und man könnte mit schönen Landschaftsaufnahmen ganze Kalender füllen. Einmal entdecken wir in einer engen Schlucht eine ganze Schar von riesigen Geiern. Genau die gleichen die wir damals in Almaty in der Falknerei schon bestaunt hatten. Sie liessen sich von uns kaum stören. Auf dem Weg Richtung Osch, passierten wir auffällig häufig Polizeikontrollen. Die Angestellten der Schweizer Botschaft hatten uns erzählt, dass für Oktober bzw. November Demonstrationen angesagt seien. Bald finden Wahlen statt, vielleicht deshalb die Polizeipräsenz. Zum Glück wollte nur einmal einer Geld, so dass wir uns nicht ständig wehren mussten. In Arslanbab (das kleine Dorf liegt auf knapp 2000m an den Ausläufern des Tien Shan kurz vor Osch) machten wir 2 Tage Pause. Dort gibt es Nussbaumwälder und viele Apfelbäume. Bald lernten wir ein paar Leute kennen und wurden mit Nüssen, Äpfeln und sogar mit einem Z’Nacht beschenkt. Sie freuten sich sehr über die Polaroid Bilder, die wir ihnen schenkten und gaben uns ihre Adresse mit der Bitte das Familienfoto zu schicken. In dem Bergdorf sind Esel und Pferde, nicht Autos das häufigste Fortbewegungsmittel. Die meisten gehen sowieso zu Fuss. Die Frauen kochen in einem grossen Wok über dem offenen Feuer und in jedem Garten steht ein Lehm Ofen, wo das Brot gebacken wird. Überall sind Bewässerungskanäle, so dass der Bergbach die ganze Umgebung des Dorfes fruchtbar macht. Die Häuser bestehen grösstenteils aus selber hergestellten Lehmbacksteinen, manchmal reichen die Mittel nur für Plastikfolien, anstatt Fensterscheiben. Immer wieder sieht man Kinder mit Eseln, beladen mit zwei Milchkannen zum Fluss gehen, überall dort wo es keinen Brunnen in der Nähe gibt. Die Wäsche hängt über den Gartenzäunen, ebenso wie farbenfrohe Filzteppiche, die selber gemacht sind. In dieser Gegend machen die Menschen einen zufriedeneren Eindruck, obwohl sie sehr einfach leben, sieht alles ordentlich aus. Schade können wir nicht mehr Fotos machen. Ein alter Mann, den ich fragte ob ich ihn fotografieren darf, antwortete, es gäbe kein schönes Foto von ihm. Das musste ich natürlich respektieren. Mit seinem wettergegerbten Gesicht, dem weisen langen Bart und dem typisch kirgisischen Filzhut auf, wäre ich da anderer Meinung gewesen. Wir erreichten das Fergana Tal. Bald tauchten die ersten Baumwolle - und Reisfelder auf. Es war nicht mehr so einfach einen Übernachtungsplatz zu finden, da die Gegend immer dichter besiedelt war. Am Abend hatten wir Besuch von einem berittenen Hirten. Mit Händen und Füssen versuchten wir uns zu unterhalten, da er kein russisch und wir kein kirgisisch konnten. Er fand uns so exotisch, dass er später, als es schon Nacht war, noch einmal mit seiner Freundin kam, um uns bekannt zu machen. Royan wollte er auch unbedingt kaufen, obwohl er in Begleitung von 2 riesigen roten asiatischen Hirtenhunden war, neben denen unser Royan wie ein Hündchen wirkte. Wieder bekamen wir Käse geschenkt, weil wir auf seine Bitte hin ein Foto gemacht hatten.

Je dichter besiedelt die Gegend, desto chaotischer wurde der Verkehr, und ich war heilfroh nicht Autofahren zu müssen. Beifahrer zu sein war schon spannend genug. Oft hatten wir uns gewundert, dass nicht mehr Unfälle passieren. Vor uns lagen zwei hohe Pässe auf der Strasse ins Alay Tal, zum Beginn des Pamir Highways. Der Weg ist noch von den Russen zur Zeit des kalten Krieges gebaut worden, um den Nachschub zur chinesischen Grenze zu sichern. Auf 3000m liegt ein weites Hochtal von dort sieht man den „Pik Lenina“. Mit 7134m ist es der höchste Berg in Kirgisien. Nicht weit davon ragt der 7495m hohe Koh-i-Samani als ehemals höchster Berg der Sowjetunion in den meist tiefblauen Himmel, heute gehört er zu Tadjkistan. Die Berge vom Pamirhighway in Tadjkistan aus zu sehen, wäre sicher toll gewesen, leider hat die Zeit dazu nicht mehr gereicht, mittlerweile ist dort oben alles verschneit. Bereits auf dem Weg nach Naryn waren uns grosse Sattelschlepper aus China entgegengekommen, vom Torugartpass her, der bis vor kurzem die einzige offene Grenze nach China war. Nun wurde der Irkeshtam Pass für den internationalen Verkehr geöffnet, von dem man nun ebenfalls nach Kashgar (in China) fahren kann. Die Laster aus China fuhren oft im Konvoi und hätten jeden 40 Tonner auf unseren Autobahnen Konkurrenz gemacht. Die kirgisischen Lastwagen sind zwar kleiner, aber umso mehr beladen. Wie die Lastwagenfahrer ihre grossen, schweren Gefährte heil um die engen Kurven der unbefestigten Strasse manövrieren, ist bewundernswert. Als wir die 3615m Passhöhe des Taldyk Passes überquerten, lag so gut wie kein Schnee mehr. Trotzdem waren wir froh, dass nicht mehr Verkehr war. So hatte man meist die ganze Strassenbreite, um den Löchern oder Pannenautos auszuweichen. Wenn etwas kaputt ist, wird an Ort und Stelle repariert, auch wenn es mehrere Tage dauert. Besonders bei Lastwagenpannen sieht man Alles Mögliche verteilt am Strassenrand liegen, einmal sogar eine Kurbelwelle. Als Warndreieck dienen ein paar Steine auf der Strasse. Nach getaner Arbeit werden sie selten weggeräumt, so dass alle einen Bogen um die Steine fahren bis vielleicht mal einer die Steine wegräumt. Bei Sary Tash einem etwas trostlosen windigen Nest, bogen wir nach rechts ab. Geradeaus ging nicht, weil es eine Bewilligung fürs Befahren der Grenzregion gebraucht hätte. Vis-a-vis vom Pik Lenina suchten wir einen Platz zum Übernachten. Hier oben wachsen keine Bäume mehr und es gibt keine andere Möglichkeit ungesehen zu bleiben. Es dauerte nicht lange und ein junger Mann klopfte an die Scheibe. Er war freundlich und fragte nach einer Zigarette, Walter gab ihm ein paar aus unserem Vorrat, danach war er aber ziemlich anhänglich und wir brachten ihn fast nicht mehr los. Als er eine Stunde später dann noch mal dastand und Dollar verlangte, wurde uns die Sache suspekt. Wir beschlossen den Platz zu wechseln, um zu verhindern, dass er sich die Dollar die er nicht bekommen hatte, auf anderem Weg besorgen würde. Dann waren plötzlich zwei Reiter da die unbedingt wollten, dass wir bei ihrem Haus in der Nähe übernachten sollten, da es hier nicht sicher sei. Nach einem längeren Hin und Her währenddessen wir den Eindruck hatten, dass man den beiden trauen kann, beschlossen wir das Angebot anzunehmen. Die ganze Sippe wohnte in zwei kleinen Lehmhäusern und lebte wohl von der kleinen Viehherde, die die beiden gerade nach Hause getrieben hatten. Sofort wurden wir ins Haus zum Tee eingeladen. Ein Raum war für die Küche reserviert, von dort aus wurde der Ofen beheizt, der für mollige Wärme sorgte. Der andere Raum war mit Teppichen ausgelegt und vor den Wänden lagen Sitzkissen. Eine Ecke war bis zur Decke voll mit Decken, die nachts gebraucht werden, da hier alle schlafen. Der ganze Stolz war zu unserem Erstaunen ein Computer, mit dem wir sofort Fotos gezeigt bekamen von einer Schwester die in Schottland arbeitete und einen Letten geheiratet hatte. Es ist erstaunlich wie viel man kommunizieren kann, auch wenn keiner die Sprache des anderen spricht. Nur gut konnten wir sie überzeugen, dass wir im Auto schlafen, ohne sie zu beleidigen. Nach einer kalten Nacht mit knapp über Null im Auto bekamen wir die weissen Gipfel des Pamirgebirges am Morgen doch noch zu Gesicht. Wir machten uns auf den Rückweg, solange schönes Wetter war. Gestern Abend hatten wir bei unseren Gastgebern Bilder des Taldyk Passes im Schnee mit einem umgestürzten Lastwagen gesehen, und hatten keine Lust Ähnliches live zu erleben. Auf der Fahrt nach Osch gab es felsige Berge in allen Farben und viele kleine Dörfer, wo die Leute traditionelle Kleidung trugen, und Pferde vor den Häusern angebunden waren statt geparkter Autos. Am 30. Oktober erreichten wir Osch und fanden schnell einen sehr guten Standplatz auf dem Parkplatz eines Hotels, direkt neben einer grossen Grünanlage und nahe genug beim Zentrum, um zu Fuss gehen zu können. Osch ist eine sehr alte Stadt an der Seidenstrasse. Es gab sie bereits 500 Jahre vor Christus. Es wachsen grosse, alte Bäume und der Fluss Ak-Buura (=Weises Kamel) ist mit Parkanlagen gesäumt. Von einem Hügel der Salomons Thron heisst, hat man einen guten Blick über die Stadt.

Zwei Tage später fuhren wir zur Grenze und waren gespannt, was uns (nach den Erfahrungen bei der Einreise) diesmal erwarten wird. Zuerst wären wir fast umgekehrt, in der Meinung uns verfahren zu haben. Eine grosse Menschenmenge drängte sich wie auf einem Bazar am Sonntag, vollbeladene Karren mit allen möglichen Waren wurden zwischendurchmanövriert. Von Pferde und Eselskarren ganz zu schweigen. Von weitem sah man eine Baustelle, ein Schild mit Zoll oder etwas ähnlichem war nicht zu entdecken. Erst nachdem ich ausgestiegen bin, sah ich nach einer Weile ein kleines Häuschen mit einem uniformierten darin, ein Stück weiter entfernt auch so etwas wie einen Schlagbaum. Andere Autos die über die Grenze wollten waren nicht zu sehen. Wie schon einmal wirkte alles etwas improvisiert. Natürlich wollte niemand etwas von unserer hart erkämpften Zolldeklaration sehen. Aber zwei verschiedene Beamte beharrten auf dem Einreisestempel, den wir eben nicht bekommen hatten. Erst als ich ihnen das Schreiben vom Polizeipräsidenten aus Bischkek zeigte gaben sie sich zufrieden, es wollte auch niemand Geld.


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